Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
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64 Gemeinde für ihre Loyalität seinen Allerhöchsten Dank telegraphisch ausdrücken. — Bei der am 27. Januar in Budapest stattgehabten Landesversammlung der studierenden Jugend Ungarns, wo gegen die Wehrvorlage der Ungar. Regierung demonstrirt wurde, hielten unsere Glaubensgenossen, die Universitätshörer Desider Gonda, Wilhelm Weiszfeld und Ialrob Fischer, zündende patriotische Reden. Die Coryphäen der ungar. Oppositionspartei als Gf. Albert Appomst, Daniel Iranyi und Dolomst sprachen sich lobend über das Verhalten der ungarisch-jüdischen Studenten aus. Hier muß der Antisemitismus verstummen. — In Distrih (Siebenbürgen) ereignete sich folgender Fall. Der dort wohnhafte Jude Adolf König wollte sich mit einem dortigen Mädchen verehelichen, jedoch waren seine Schriften nicht in Ordnung. In Folge dieses Hindernisses wurde die Trauung durch den Rabbiner verschoben. Die Liebe kennt aber kein Hindernis. Honig "lieh sich vor Zeugen durch einen Chasid aus Galizien trauen. Kaum waren die Flitterwochen verronnen, wollte sich Honig in Großwardein wieder verehelichen. Der dortige orth. Rabbiner Fuchs entdeckte das Vergehen der Bigamie und ließ Honig dem Gerichte einliefern. — Der isr. Lehrer der Neuhäusler Gemeinde Samuel Fürth, der sich unter den Lehrern einer großen Popularität erfreute, starb am l6. Dezember. Die Lehrerkorporation des Neutraer Komitates und der ungar.-israel. Landeslehrerverein, deren Mitglied der Verblichene war, verlieren einen ihrer begabtesten Mitarbeiter. Ruhe seiner Asche! — Die jüdischen Winkelschulen im Zempliner Komitat waren so verbreitet, daß der dortige Schulinspektor die Erhalter derselben mit Geldstrafen belegte. Wie derselbe in der letzten Sitzung des Komitats-Verwaltungsausschusses meldete, erreichten diese Strafgelder im verflossenen Jahre die horrende Summe von 1777 fl. Nun glauben wir, werden die Zempliner Juden doch einmal geregelte öffentliche Schulen kreiren! — Die Hörer der höheren Abteilung des ungar.-isr. Rabbiner- Landesseminars beginnen mit 1t. Febr. einen wissenschaftlichen Vortrags-Cyklus. Als erster Vortragender wird Herr vr. L. Kecskemvti über „Den Pessimismus der jüd. Dichter" sprechen, Herr Di-. W. Elsas wird über das Thema „Die Ägada des Talmud" und Herr Emil Hoffmann über „Midraschstellen" vortragen. — Gelegentlich der Immatrikulationsfeier an der Universität in Lemberg besprach der neugewählte Rektor Di-. PietaK in beredter Weise die hohe und ehrenhafte Aufgabe der akademischen Jugend, deren Rechte und Pflichten, und sagte unter Anderem: „Und Ihr akademischen Bürger liebet und unterstiitzet Euch gegenseitig ohne jedes Vorurteil betreffs der Geburt, ohne Rücksicht auf die Konfession, ohne zu achten auf den Ritus." Möge die akademische Jugend diese Worte gehörig beherzigen! — Eine Episode des Tißa-Eßlärer Prozesses, von welcher wir seinerzeit berichtet haben, bot den Anlaß zu einem Verleumdungs- und Ehrenbeleidigungsprozesse gegen den Nyiregyhäzaer Advokaten Di-. Igna; Heumann. Letzterer inachte nämlich in seiner Eigenschaft als Verteidiger gelegentlich der Verhandlung des Tißa-Eßl-rrer Prozesses am 28. Juli 1883 folgende Aeußerung: „Wieder erscholl die Anklage, zu deren Bekräftigung das ganze Komitat, von seinem administrativem Haupte bis zum letzten Ortsrichter, auf unmoralischem und ungesetzlichem Wege nach falschen Beweisen späht." In diesem Ehrenbeleidigungs- und Verleumdungs-Prozeß wurde die Untersuchung durchgeführt, doch wurde das Verfahren eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft es versäumt hat, von dem beleidigten Beamtenkörper eine Vollmacht zur Einleitung des Verfahrens einznholen und eine nachträgliche Unterbreitung der Vollmacht aus Verjährungsrücksichten unbeachtet bleiben mußte. Die kön. Tafel hat diese