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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 62

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 löttb 563,172 Juden. — fdqifs neues Stück „Letzte Liebe", wurde bei seiner ersten Aufführung im königlichen Schauspielhause in Derlin sehr beifällig ausgenommen. — An der Hochschule iu Derlin ist die Einrichtung getroffen, daß die Hörer in einer der Synagogen Samstag Nachmittag Predigten abhalten. Herr Rabbiner Dr. Waybanm, Docent für Homiletik an der Anstalt, der diese von ihm getroffene Einrichtung mit Eifer überwacht, hat auch eine Summe von 95,000 Mark verschafft, von deren Zinsen die Studirenden unterstützt werden. — Im Jahre 1888 hat die Lebensversicherungsgesellschaft „Oirtoria" in Kerlin der „Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung" Mark 15,603,69 zugewiesen. — Das jüdische Kurhospital in Eolberg versendet seinen fünfzehnten Jahresbericht. Es ist die erfreuliche Thatsache zu verzeichnen, daß die Teilnahme für die Erhaltung des Hospitals im steten Wachsen begriffen ist, wodurch auch eine erweiterte Wirk- -» samkeit des Institutes ermöglicht wird. Die Einnahmen betrugen 13,925 Mk. 29 Pfg., die Ausgaben 8272 Mk. 16 Pfg. 5000 Mk. ivurden dem Grundvermögen einverleibt. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder hat um 74 zugenommen. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Bon kulturhistorischem Interesse möchte gerade unter heutigen Verhältnissen auch für weitere Kreise der Jahresbericht der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg im Elsaß sein. Diese seit 62 Jahren bestehende Anstalt verfolgt den Zweck, unter den bedürftigen Israeliten des Unterelsaß die Verbreitung der Handarbeit zu fördern und die jungen Leute zu tüchtigen Handwerkern heranznbilden." Viel näher liegt es auf die Pflege des Handwerks unter den Juden in anderen deutschen Provinzen hingewiesen, wo nach dieser Richtung hin mit regem Eifer gewirkt wird. Auch der I. D. Gemeindebund in Berlin entfaltet auf diesem Gebiete eine segensreiche Thätigkeit. — Jüngst fand in Lcipstg eine Versammlung zahlreicher jüdischer Einwohner statt, in welcher eine Stellungnahme gegen das antisemitische Unwesen besprochen wurde. Man kam überein, durch Verbreitung von Blättern den jüdischen Einwohnern kund zu thun, wo sie bei Glaubensgenossen kaufen können; ebenso in welchen Vergnügungslokalen sie verkehren können, ohne Beleidigungen ausgesetzt zu sein; ferner wurde vorgeschlagen, dahin zu wirken, daß judenfeindliche Blätter von Israeliten nicht durch Annoncen unterstützt werden; endlich solle man sich im Besuch des Stadt-Theaters sehr reservirt halten, solange das Treiben eines bekannten antisemitischen Dramaturgen von der Direktion geduldet wird. — In Leipzig hielt Herr Di-. Soas einen Vortrag über das Thema „Wie bekämpft man den Antisemitismus." — Herr Cand. List. Eichler, der den stud. med. Dünn in Derlin im Duell getötet, lvurde zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. — Herr Rabbiner Dr. Wiener in Gppeln wurde von der Anklage der Majestätsbeleidigung freigesprocheu und die Beschlagnahmung der Broschüre „Saul und Jonathan" aufgehoben. — In einer Wahlrede in Hreslan mußte wider dem Herrn königlichen Regierungsrath Frank der Erzvater Jakob herhalten. Wenn doch die Herren einmal solche Dinge fallen ließen! Auch das Christentum weiß ihnen hiefür keinen Dank. — Der Antisemit Herr Dr. Höckel ist beim Amtsgerichte in Marburg von seiner früheren Haushälterin Eva Hilgert auf Zahlung von Alimenten in der Höhe von 30 Mark monatlich für seinen unehelichen Sohn, die er zugesagt, verklagt worden. Herr Böckel ließ sich durch seine Gattin vertreten, welche meint, ihr Mann habe das Versprechen „in Unkenntnis des Gesetzes" gegeben. Das sind die Vorkämpfer germanischer Gesittung gegen semitische Fäulnis. O daß doch dem deutschen Volke ein Licht über diese modernen Weltverbesserer aufginge! — In der Sylvesternacht wurde der

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