Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1888)
- Date
- 1888-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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280 jüdische Geschichte erschienen. — Bei einer in Hellbraun stattgefundenen Stenographen-Versammlung war die Bibel, angefertigt in stenographischer Schrift, eine Arbeit des Herrn Alwin Tuch, aufgelegt. — Am 17. Oktober besuchten der Erbgroßherzog von Baden und seine erlauchte Gemahlin die Synagoge zu Mannheim. Vom Synagogenrate, mit Herrn D. Aberle an der Spitze, empfangen, wurde das hohe Paar in die heiligen Räume geleitet, wo Herr Rabbiner Dr. Hteckclimichir eine Ansprache an dasselbe hielt. Nachdem der Redner deil Priestersegen gesprochen, dankten die hohen Gäste, sichtlich gerührt, für die ihnen gewordene Begrüßung. — Am 30. September wurde Herr Stadtrat Alexander Dolff in Berlin unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. phujbnum schilderte in trefflicher Rede des Heimgegangenen Arbeitsfreudigkeit für das Wohl der Gemeinde. Herr Stadtrat Dorchardl überbrachte Namens des Magistrates einen großen Lorbeerkranz. - In Leer starb der letzte Veteran ans den Freiheitskriegen der dortigen Stadt, Herr Moses Jacob de Zlries, im Alter von 95 Jahren. — Am 4. Oktober starb der Nestor der israelitischen Lehrer Hessens Herr Zalrob Gutbiud in Zierenberg. Er wurde am 11. Juli 1805 in Frielendorf geboren. — Am 10. Oktober wurde in Offenbach a. Main Herr Stadtverordneter Theodor May»; zur letzten Ruhe geleitet. An seinem Sarge sprachen Herr Lehrer Uogel und Herr Oberbürgermeister Brink Worte ehrenden Nachrufes. — Man schreibt uns: Der 70jährige Bestand des Tempel-Verbandes in Hamburg ist am 20. Oktober festlich begangen worden. Herr Prediger De. Leimdörfer hielt eine einstündige geistsprüheude Kanzelrede zu dem Texte: „Gehet zu Abraham, eurem Vater und zu Sara, eurer Ahnfrau, denn als einen Einzigen habe ich ihn berufen, ihn aber gesegnet und groß gemacht." Jes. 51. — Am Tage der Völkerschlacht bei Leipzig — so begann der Redner — am Geburtstage des großen Kaisers Friedrich III., am 18. Oktober 1818 ist der damals einzige Tempel mit zeitgemäßer Andacht im Judentum gegründet worden, aber er ist wie Abraham der Stammvater zahlreicher bedeutender Gemeinden geworden und sein Wachstum wird immer größer. Was den Geist und die Tendenz dieses Gotteshauses anlange, so ist sie: Verbindung des Glaubens mit der Wissenschaft. Nicht Willkür, sondern das Bedürfnis der Zeit war es: Würde und Weihe, Ruhe und Anstand in die jüdischen Gotteshäuser zu verpflanzen, die Andacht zu regeln und die deutsche Predigt einzuführen, deren Vater, Gotthold Salomon, hier gelebt und gewirkt, — diese That sei eine patriotische, eine erleuchtende und eine religiöse gewesen, patriotisch, denn neben dem Hebräischen wurde in unserer Zeit die Sprache des Vaterlandes zu einer dem Israeliten heiligen Sprache, erleuchtend, denn Deutsch und deutlich seien den Juden seit jeher identische Begriffe gewesen, so daß selbst vor Mendelssohn die' Schrifterklärungen Verdeutschungen genannt wurden und selbst der des Deutschen nicht mächtige alte Rabbiner sprach vor der Deutung dunkler Stellen: „Was ist das Deutsch?" Aber nicht wenig hat die deutsche Predigt zur Vertiefung der Religion beigetragen. Nach dieser inhaltlich bedeutenden Rede folgte ein Gebet für die verstorbenen Gründer, Prediger und Vorsteher, ferner für das Vaterland, den Senat und die Gemeinde. Der Präses der letzteren, Herr Äosef Bchönfeld, sprach im Namen der Verwaltung dem Prediger für die wirklich hervorragende Leistung vor der versammelten Gemeinde tiefgefühlten Dank aus. — Bei der am 21. August in Leer stattgefundenen vierten Conferenz des Vereins der israel. Lehrer und Cultusbeamten des Landrabbinates Emden hielt Herr Landrabbiner Dr. Buchholz einen Vortrag über das Thema „Die historische Entwicklung des Jugendunterrichtes nach Bibel und