Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969766--2400-2972582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I PoxM-ivWMückMickq jur ttetehrnng »6ci* das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben * von Dr. Adolf Brnll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen mib Postanstalten des In- und Auslandes. 8. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. November 1888. Nummer 11. Zwei Weden gehalten am Neujahrsmorgen und am Schlußabende des Bersöhunngstages von vr. N. Brüll, Rabbiner der israel. Gemeinde in Frankfurt a. M. I. Weniger Worten und mehr Thaten. Daß unsere menschliche Einsicht, wenn auch durch Wissen ausgebildet und durch Erfahrung geschärft, doch nur stets beschränkt und mangelhaft bleibt und oft selbst zur Erkenntnis der Nächstliegenden Dinge nicht ausreicht, das fühlen wir besonders an dem heutigen Tage, der uns dazu auffordert, ernstlich über uns selbst 'nachzudenken, und mehr als jeder andere in uns das Verlangen Hervorrust, das Geschick unserer Zukunft zu erforschen. Nichts sollte doch dem Menschen leichter werden, als daß er sich selbst erkenne, Einsicht in die Art seines inneren Strebens erlange und über sein Thun und Wollen sich Rechenschaft gebe, und doch, wie schwer will uns das gelingen! wie wird da gerade das, was uns am meisten in die Augen fallen sollte, vergessen und übersehen! Aufmerksam und scharfsichtig, wo es gilt, die Fehler anderer hervorzusuchen, sind wir zumeist blind gegen die eigene Sünde und begreifen es gar nicht, wie von uns. die wir von jeder Schuld uns frei glauben, noch gefordert werden könne, daß wir Buße thun und auf den Pfad der Rechtschaffenheit zurückkehren. Wo ist da unsere Einsicht? Was erreichen wir für unser Seelenheil mit aller Wissenschaft und Welterfahrung, wenn wir über das im Dunkeln bleiben, was zu erkennen uns am meisten Not thut, und alles verstehen, alles zu beurteilen wissen, nur nicht uns selbst? Noch mehr sehen wir