Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1888)
- Date
- 1888-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 nicht ganz aufgehellte Gaonen-Periode zu gewinnen ist, zeigt uns die umfassende und gehaltvolle Einleitung des Herausgebers, der auch in fortlaufenden Noten auf alles Bemerkenswerte hinweist und in denselben lehrreiche Erläuterungen darbietet. Ein christlicher Gelehrter, Herr H. I. Mathews in Oxford, liefert den sorgfältig veränderten Text des Buches „Galuj" von Josef Kimchi, das, wie sich nun herausstellt, im Wesentlichen die exegetischen Streitfragen zwischen den Gramatikern Dnnasch und Menachem untersucht und in der Regel „Entscheidungen", in denen R. Jakob gewöhnlich Letzteren in Schutz nimmt, in nüchternen Bemerkungen wiederlegt, ohne jenen gereizten Ton wiederklingen zu lassen, der durch den auf Menachem eifersüchtigen Dunasch in diese Polemik hineingetragen wurde. Herr Mathews, der in einer hebräischen Einleitung die zu erledigenden Fragen der Kritik behandelt, zeigt sich als Editor seiner Aufgabe vollkommen gewachsen. Auch der von Herrn Derenburg veröffentlichte arabische Text des Maimunischen Kommentars zur Mischnaordnung Tahora ist um ein gut Stück vorwärts gekommen. Den Geschichtsforschern wird die Veröffentlichung des alten Wormser Memorialbuches und einiger religiöser Klaggedichte über mittelalterliche Verfolgungen besonders willkommen sein. Hervorheben wollen wir noch, daß von der talmudischen Realenciclopädie Lamperonte bereits ein großer Teil der Artikel des letzten Buchstabens uns vorgelegt wird. — Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr vr. Joel Müller hat eine Sammlung gaonischer Gutachten, die er mehreren handschriftlichen Codices entnommen hat, ediert und dieselbe mit begleitenden Anmerkungen, in denen ihr Inhalt mit den sonstigen Quellen sorgfältig verglichen wird, ediert. Diese Veröffentlichung kommt, da eben auch Hakavy's Edition der Petersburger Texte fertig geworden ist, zur rechten Zeit. — Joma, der Mischnatractat „Versöhnungstag" herausgegeben und erklärt von Hermann L. Strack, der Theologie und Philosophie Doktor, a. o. Professor der Theologie zu Berlin, (Berlin, Reuther's Verlagsbuchhandlung 1888.) Der bewährte Herausgeber hat für die Herstelluung des sorgfältig revidierten Textes die besten kritischen Hilfsmittel zu Rate gezogen und in der Erläuterung zur Erklärung des Tractates Joma recht nützliche Beiträge geliefert. Das alphabetische Glossar wird besonders Anfängern das Studium desselben wesentlich erleichtern. — Der leidende und der sterbende Mesias der Synagoge im ersten nachchristlichen Jahrtausend von Dr. G. H. Dalmann, Licentiat der Theologie, Berlin (H. Reuther'sche Verlagsbuchhandlung 1888). Auch Diejenigen, die den dem Verfasser sich ergebenden Resultaten nicht durchwegs zustimmen, werden in dem gründlich gesichteten und einsichtsvoll geprüften Materiale von Messiaslegenden der talmudischen Litteratur, das der Verfasser in einer klar sich abwickelnden Abhandlung uns darbietet, vielerlei nützliche Belehrung und Anregung finden. Ueber die Messiasvorstellungen des jüdischen Volkes in der Zeit, die zwischen dem Abschluß des biblischen Kanon und der Entstehung des Christe'ntums liegen, fehlen uns die nötigsten verläßlichen Daten; eine zusammenfassende Darstellung der in der altrabbinischen Litteratur vorhandenen Angaben, wie Herr Dalmann sie darbietet, ist daher von besonderem Interesse. — Die Chrestnomathia targumica von Adalbert Merx, die als achter Teil von Stracks und Petermanns porteä lillguarum orientalium bei Herrn Reuther erschienen ist (Berlin 1888), enthält ausgewählte Stücke des Targums, die zumeist alten, noch mit babylonischer Punktation versehenen handschriftlichen Texten entnommen sind. Wir erlangen dadurch ein treueres Bild von der ursprünglichen Gestalt der aramäischen Bibelübersetzungen. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß Herr Merx