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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-08-01 · Heft 8 (1.8.1888) · p. Seite 188

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.8.1888)
Date
1888-08-01
Page
Seite 188 (sequence 20)
Language
German
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188 der Gläubiger, welcher eine Schuldforderung von 100 fl. hatte und hiefür als Pfand etwa eine Bettdecke im Werte von 200 fl. erhielt, den Schnldner nicht zwingen konnte, diese zu verkaufen und mit dem Erlöse die Schuldforderung zu begleichen und sich für die Bedeckung seines Körpers mit einer geringer» im Werte von 100 fl. zu begnügend) „Man durfte nicht Mühle und Mühlstein pfänden, beim man pfändet das Leben (Deuter. 24, 6). Ebensowenig konnte mau Geräte und Werkzeuge pfänden, die zum Lebensunterhalte unumgänglich nötig waren2); auch nicht Küchengeräte wie Trog, Töpfe und Schüsseln oder das Schlachtmesser; wurden diese Dinge gegen das Gesetz in Pfand genommen, wurde der Gläubiger gesetzlich zur Rückgabe gezwungen3). Eine Wittwe, ob sie reich oder arm war, durfte gar nicht gepfändet werden, denn „nicht pfänden sollst du das Kleid der Wittwe" (Deuter. 24, 17). Eine gegen eine Wittwe vorgeuommene Pfändung konnte von Gesetzeswegen rückgängig gemacht werden 4). Wonalsfchau. Aus allen Teilen unseres Vaterlandes sind uns Berichte zugegangen über Trauerfeierlichkeiten, die zum Andenken an unseren geliebten und allverehrten Kaiser Friedrich, der am 15. Juni um 11 Uhr 12 Minuten vormittags in Friedrichskron sanft entschlafen, am Beisetzungstage, den 18. Juni, in den Synagogen abgehalten wurden. Alle diese Kundgebungen der Teilnahme um den Heimgang des besten der Fürsten zeigen, welche Liebe sich unser hochseliger Kaiser Friedrich in allen Schichten der Bevölkerung im Vaterlande und weit darüber hinaus erworben. Der Name Friedrich III. wird stets nüt Verehrung genannt werden und sein Andenken ist und bleibt ein Segen für alle Welt. — Aus Mneburg berichtet man: Ihre Majestät die Kaiserin Victoria hat bei ihrer Anwesenheit in dieser Stadt dem dortigen Oberbürgermeister Herrn Lauenstein ihre Befriedignng über die dort zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen herrschende Einigkeit ausgesprochen und hinzugefügt: D a s antisemitische Treiben ist mir und meinem Gemahl in der Seele zuwider. — Herr Paulus Caffel schreibt im zweiten Hefte seiner „Soziale Betrachtungen über Stadt- und Volksmission" in Bezug auf seinen Kollegen Herrn Hofprediger Itöker Folgendes: Hat das Volk nie gehört, welcher Thätigkeitsfphäre der Mann angehört? Hat er sie nicht in seine Versamnilungeu eingeladen? Sind die Stadt-Missionen nicht seine Boten? Ist dem Volk unbekannt, was er mit dem Judenhaß für eine schreckliche Profession betreibt, von dem er nicht lassen kann, obschon es schier unmöglich ist, daß ihm die unevangelische Natur desselben nicht zuweilen ins Gewissen gefallen ist und daß durch den politischen Schild, den er aus Lamm- und Fuchshaut sich bildet, nicht das Wort des Apostels gedrungen sei: „Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses." Wie soll das Volk die Liebesworte auf den Kanzeln nrit dem Haß und Fluch im Leben vereinigen? Angenommen nun, es gelänge Stöcker das arme Volk mit Haß gegen die Juden zu erfüllen, weil er es ist, der zu ihnen Boten sendet, wäre das eine geistliche Arbeit? Ist das Evangelium in die Welt gekommen, um Haß und Fanatismus *) Mechilta a. a. O. *) Lek. tob zur Stelle. 3) Maimon. a. a. O. 4) ebendas.

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