Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1888)
- Date
- 1888-06-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 ist es unter dem Drucke der Emanzipationsbestrebungen und der noch nicht sicher erreichten Freiheit in dieser Beziehung bei einem kleinen Kreise unserer Glaubensgenossen, auch da, wo nicht die Regierungen darauf gedrungen, allerdings um vieles besser geworden, denn das Judentum mußte sich präsentieren und auch äußerlich seine Ebenbürtigkeit niit anderen Glaubensgenossenschaften klar an den Tag legen können. Allerdings waren die angestrebten Verbesserungen auf dem Gebiete des Judentums nicht immer nur äußerliche, sondern auch von innen herausgewachsene, einem wirklichen Bedürfnis der Zeit entsprechende, denn es gab, Gott sei Dank, Männer in unserer Mitte, die auf der Höhe der Zeit und der Wissenschaft stehend, das Urteil über ihre Bestrebungen nach dieser Richtung hin nicht aus der Menge schöpften, sondern ans den ewigen Gesetzen des Judentums und des eigenen Wissens unb Gewissens. Solche Männer waren es auch, die unter dem Einstnsse der Mendelssohn'schen Richtung und Schule stehend, mit Betrübnis den Verfall des Judentums wahrnahmen und mit dem Aufgebote aller ihrer Kräfte unter Kampf und Sturm, in Schrift und Wort, in Rabbinerversammlungen und ans Synoden, den Geist des reinen Judentums geweckt und gepflegt und mit einem dem echten Idealismus entstammenden heiligen Eifer, mit einem Ernst, mit einer Wärme und einer Begeisterung, für welche unserem Zeitalter leider sogar schon das Verständnis abzugehen scheint, an der Neubelebung und Verjüngung des Judentums gearbeitet haben. Eine Frucht dieser geistigen Bestrebungen und Beivegungen ist der D. I. Gemeinde-Bund, über dessen Wirken ich heute zu Ihnen zu sprechen die Ehre habe. Es war im Jahre 1869, als in Leipzig die erste israelitische Synode tagte, da haben intelligente Männer, die an der Spitze von Gemeindeverwaltungen standen, welche von besserem Geiste erfüllt waren, den Entschluß gefaßt, durch Gründung eines Bundes der trostlosen Zersplitterung und Vereinzelung ein Ende zu machen und das Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit unter den israelitischen Gemeinden in Deutschland zu beleben. Den Gemeinden Leipzig und Dresden bleibt das unbestreitbare Verdienst, daß zwei Männer aus ihrer Mitte es waren, die von dem Gedanken der Errichtung eines Bundes lebhaft ergriffen, nicht ruhten und nicht rasteten, bis die Idee Gestalt gewonnen und Verwirklichung angenommen hatte. Es waren Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden, dessen Brochüre „Höre Israel" nach dieser Richtung bahnbrechend gewesen, welche die Geister zur That aufweckte und dessen segensreiche mit Erfolg gekrönte Wirksamkeit in der Geschichte des Bundes unvergeßlich bleibt, und Herr Moritz Kohner, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Leipzig, ein an der harten Arbeit des Lebens gereifter Mann, der seine natürlichen Anlagen und Talente in den Dienst der guten Sache stellte und dabei eine Energie entfaltete, die ihm bleibend zur Ehre gereicht. Nach dem Tode Moritz Kohners, desj ersten Vorsitzendendes neugegründete» Bundes wurde Herrr Jakob Nachod aus Leipzig, ein von Humanität und edlem Wollen erfüllter Mann, an die Spitze desselben gestellt, dem er auch segensreich Vorstand, bis derselbe in Folge des Sächsischen Vereinsgesetzes gezwungen, Sitz und Land zu ändern, nach Berlin verlegt wurde, wo er gegenwärtig unter der ebenso tüchtigen, wie umsichtigen Leitung des Herrn Geheimen Sanitätsrates Di'. Samuel Kristeller steht, der im Vereine niit hervorragenden, durch Geist, Wissen und Thatkraft ausgezeichneten Männern unentwegt die Ziele anstrebt, die erreicht werden müssen, welche seine Gründer und Förderer im Auge hatten und noch haben. Und in der That ist keine Gemeinde in Deutschland so geeignet Sitz und