Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 114 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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114 statt. Herr Landrabbiner Di-. Goldschmidt aus Dirkenfeld hielt die Festrede. — Am 6. März hat die Stadtvertretung in Düsseldorf den Beschluß gefaßt, daß der für die Errichtung des Heine-Denkmals in Aussicht genommene Platz im Hofgarten zur Verfügung gestellt werde. — Wie die „Hazephira" berichtet hat ein jüdischer Arzt Namens Dr. Sincnltcl aus Groß-Gerau ein wunderbares Gerät erfunden, um reine Luft in die Kanüle zu bringen, welche unser geliebter Kaiser Friedrich trägt. Auch hat er eine Kanüle aus leichterem Metall wie Silber angefertigt, die den Beifall der behandelnden Aerzte des hohen Patienten gefunden haben soll. — Die Zweiggenossenschaft für „Freiwillige Krankenpflege im Kriege" in Göttinge» hat das Eintrittsgesuch des Herrn Dr. Schönfließ, eines hochgeachteten Mitgliedes der Universität, zurückgewiesen, weil er Jude ist. Die Herren Professoren König und Epstein, ersterer Christ, traten in Folge dessen von der Leitung des Vereins zurück und motivierten ihren Austritt in den öffentlichen Blättern. Man appelliert an den allgemeinen Patriotismus und will eine ganze Kattegorie von Staatsbürgern, bloß weil sie Juden sind, von der Mitgliederschaft ausschließen. Möge doch das Wort unseres geliebten Kaisers zur Geltung gelangen. „Ein jeglicher unter ihnen ist meinem Herzen gleich nahe — haben doch alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt!" — Ein ungenannter Jude in Main; überwies der dortigen Bürgermeisterei 300 Mk. zur Verteilung nur an unbemittelte Arme christlicher Konfession, veranlaßt durch die Kaiserliche Botschaft an den Reichskanzler, welche er als das hohe Lied der Menschenliebe bezeichnet. — Am 27. Februar starb in Wien der Schriftsteller Michael Klapp, bekannt durch sein Lustspiel „Rosenkranz und Güldenstern"; vor seinem Tode trat er, früher konfessionslos, in's Judentum zurück. — In Lemberg starb am 21. März 8 Uhr Morgens Herr Oberrabbiner Z. H. Ornstei». — In Klachod starb der Religionslehrer Herr M. Goldman». Eine von ihm verfaßte hebräische Grammatik ist in weiteren Kreisen bekannt geworden. — Am 1. März feierte Herr Prediger Dr. Löwensteiu in Lemberg im stillen Kreise seiner Familie sein 25 jähriges Jubiläum als Prediger in Lemberg. Möge es ihm gegönnt sein, noch lange in Wort und Schrift und That zur Ehre des Judentums thätig zu sein. — Herr M. W. Lichtenstern wurde als Rabbiner nach Aermsily berufen. — Herr Oberrabbiner Morih Ehrlich in Kechnih schreibt in einem Aufsatze über den jüngstverstorbenen Herrn Dr. El. Silberberg, Rabbiner in Giins und Pieschen: Welch' rührende Denint und Bescheidenheit erfüllte das Wesen der großen Denker der Vorzeit, welch tiefe Demut beherrschte die großen Rabbinen der Vergangenheit, die Zipser, Fassel, Löw, oder die glänzenden Sterne der Orthodoxie, einen R. Gabriel Engelsmann, einen R. I. S. Landesberg . . u, A. Erst unsere modernen Orthodoxen haben jenen im Judentunie nie gekannten Hochmut großgezogen, welcher so geringschätzend auf die Verdienste Anderer niederblickt und sich ausschließlich im Besitze aller Frömmigkeit glaubt. Der moderne Orthodoxe verhält sich eben zum alten wie der falsche Diamant zum echten. — In Wie» wurde jüngst ein Bettler Leopold Kohn auf der Straße festgenommen. Weil er über 100 Jahre alt war wurde er freigesprochen, obgleich der Staatsanwalt dessen Bestrafung wegen Bettelns beantragte. — Der Großhändler Herr Lriedrich Neumann in Budapest wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten in den Adelsstand erhoben. — In Szerdahely wurde Herr Krauß, ein Jude, zum Abgeordneten gewählt- Früher war dieser Wahlkreis durch einen Antisemiten vertreten. — In Gra? hat der akademische Verein „Humanitas", der die Unterstützung mittelloser, israelitischer Studenten zur Tendenz