Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 sich auch noch eine Anzahl kleiner und kleinlicher, welche für das Rafinement ihrer Urheber charakteristisch sind. Viele erinnern an Heines Atta Troll, der den Juden alle Rechte zugestanden wissen wollte, „Nur das Tanzen auf den Märkten sei den Juden nicht gestattet; dies Amendement, ich inache es im Interesse meiner Kunst". — Daß die einzelnen Bestimmungen dieses Reglements strikte befolgt wurden, beweisen die Protokolle auf dem städtischen Archiv zu Gothenburg. Als Erster, der sich'auf Grund dieses Reglements in Gothenburg niederließ, findet sich unter dem 23. Juli 1784 der „Schutzjude Elias Magnus aus Marstrand" verzeichnet. Es ist dies der Stammvater eines noch jetzt in Gothenburg blühenden zahlreichen Geschlechts. Ein Sohn desselben war der 1879 verstorbene Eduard Magnus, der sich im ganzen Lande des höchsten Ansehens erfreute, über fünfzig Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde war und neben anderen Donationen der Stadt Gothenburg ein Legat von 200000 Kronen zur Gründung einer Universität hinterließ. Die Tochter dieses Mannes ließ zum Andenken an ihren Vater ein palastartiges Gebäude aufführen, wo eine große Anzahl achtbarer unbemittelter Familien ohne Unterschied der Konfession freie Wohnung und andere Beneficien erhalten. Durch Wohlthätigkeit solcher Art haben auch andere Mitglieder der Gothenburger Gemeinde sich ausgezeichnet. Wir erwähnen nur eine Stiftung gleicher Bestimmung, welche den Namen „Heiz’ stifteise” führt und das Testament des ehemaligen Gemeindevorstehers Louis Benecke, der die Hälfte seines auf ca. eine Million Mark sich belaufenden Vermögens zu wohlthätigen Zwecken vermacht hat. Unter Anderem sind 225000 Kronen zu einem „Fond für bedürftige Mitmenschen" bestimmt worden, dessen Zinsen an gewissen Tagen des Jahres zur Verteilung kommen sollen, und zwar in keiner Gabe unter 100 Kronen. Dieses Testament gelangt, nachdem in voriger Woche die Witwe des Herrn Benecke ihrem Manne im Tode gefolgt, nnnmehr zur Vollstreckung. — Solche Thatsachen bedürfen keines Kommentars. Daß die Juden 1870 die volle bürgerliche Gleichstellung erlangt haben und in sozialer Beziehung sich allgemeiner Achtung und Anerkennung erfreuen, dürfte den Lesern dieser geschätzten Blätter wohl zur Genüge bekannt sein. Gothenburg, im März. Dr. Selver. Gin Kaiserwort. Es klang wie Glockenton so lieblich und so heiter, Wie wenn der Silberschall durch Blumenfluren fährt. Wie dust'ger Thau sich senkt auf durst'ge Kräuter, Nach Winters Frost der Frühling wiederkehrt. Das schöne Wort, wir wollen's froh begrüßen, In unsere Brust, in unsere Herzen schließen! Vom hohen Thron herab ist es erschollen, Ein Kaisermund sprach es beglückend aus: „In meinem Land soll kein fanatisch Grollen Die Menschen trennen; Duldung übt mein Haus! Sie haben all' in der Gefahr verbunden, Für's Vaterland gekämpft in bösen Stunden."