Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1888)
- Date
- 1888-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969759--2244-2972419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 klassischer rntb moderner Werke hervorgethan. Unter anderein hat er auch den Ossian ins Ungarische übertragen. Er war einer unserer besten Publizisten, ein Freund des wahren Fortschrittes und des Liberalismus. Er war der erste, der nicht nur die Emanzipierung der Juden, sondern auch die Einführung der Civilehe urgierte. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Denkrede referirte Generalsekretär Wilhelm Fraknni über laufende Angelegenheiten. Er meldete u. A., daß weil. Di-. Joseph Rozsay, Jude, der Akademie eine 5000 fl.-Stiftung vermacht hat, deren Zinsen von 1890 angefangen alle zwei Jahre zur Prämiirung eines medizinischen oder naturwissenschaftlichen Werkes verwendet werden sollen. — In Wien starb Herr Di-. Gustav Werthcim, der weitbekannte Professor für Hautkrankheiten — Man berichtet uns: Herr Di'. Adolf i’imnj ist, ein Opfer seines Berufes, am 17. Februar verstorben. Das am 19. stattgefundene Leichenbegängnis in Müdos gestaltete sich zn einer Trauerkundgebung, wie es in dieser Gegend seit Jahren keine solche gegeben Vertreten war die ganze Intelligenz des Mvdoser Stuhlbezirkes, und Freunde und Verehrer des Verstorbenen fanden sich auch aus der Ferne in großer Zahl ein. Herr Oberrabbiner Morst Klei» aus Gr.-Becskerell würdigte die Verdienste des Verblichenen um die leidende Menschheit in längerer Rede, die insbesondere in jenem Teile, der die Selbstverleugnung des Arztes am Krankenbette, von wo sich Di'. Lvwy den Todeskeim geholt, schilderte, eine mächtig ergreifende Wirkung hervorbrachte. — Am 26. Februar starb in Wien Herr Cantor Adolf Kicher, eine Zierde seines Standes. Am Sarge schilderte Herr Rabbiner Dr. Glldeman» die Verdienste des treuen, gewissenhaften Beamten, der 46 Jahre in Wien als Cantor gewirkt hat. Herr Obercantor Singer widmete dem Heimgegangenen Kollegen einen warmen Nachruf. — Wie indische Blätter melden, wurde der Lieutenant der ungarischen Honved-Armee, Dr. A. Stein, ein vorzüglicher Orientalist und ausgezeichneter Kenner der Zendsprache, zum Professor am Lahore-College im peudschab ernannt. Dr. Stein hat noch im vergangenen Herbste die Waffenübungen in Ungarn mitgemacht, worauf er sich nach Indien begab. — In Ungarn wurde der Großgrundbesitzer Sigmund Schoscherger de Torya in den Freiherrstand erhoben. — Nach der letzten Volkszählung beträgt die jüdische Bevölkerung Ungarns 41/s °/o der Gesammtbevölkerung. Die Zahl der in Budapest studierenden israelitischen Jünglinge ist jedoch achtmal größer als hiernach zu erwarten wäre. Sie bilden 33 °/o der Gesamtzahl der Studenten dieser Universität. — Man schreibt uns: In Klug. Ärod (Mähren) feierte am 26. Februar Herr Dl'. me<I. W. Gallus, prakt. Arzt in Ungarisch-Brod und Luhatschowitz, das Fest des achtzigsten Geburtstages, des 50-jährigen Doktor-Jubiläums und die goldene Hochzeit mit seiner Ehefrau Fanny, geb. Reich (Leipnik). Der Jubilar ist rüstig und geistesfrisch und erfreut sich in Familie und Beruf allgemeiner Hochachtung. — Die Aufmerksamkeit der Kaiserin von Österreich ist durch Heinrich Heine auch auf Zehuda Halevy gelenkt worden. Die hohe Frau gab Auftrag, ihr alle Schriften zu beschaffen, in welchen Jehndah Halevi als Dichter und Denker geschildert wird. — Die k. k. Staatsanwaltschaft in Wien hat das kleine Liederbuch für deutsche Turner mit Beschlag belegt, weil einzelne Lieder und Stellen in demselben zu Feindseligkeiten gegen die Juden auffordern. — Die Burschenschaft Teutonia in Wien mit antisemitischer Tendenz wurde behördlich aufgelöst. — Herr Dr. Karl Jiiuui, Redakteur des „Parlamentär" in Wien, ein Antisemit, ist wegen Betruges dem Gerichte überantwortet worden. — I» Versailles starb der Großrabbiner Herr M. Charleville. — In dem Hause in Pafsy, Straße