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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-04-01 · Heft 4 (1.4.1888) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (1.4.1888)
Date
1888-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Meine Andächtigen! Wir stehen heute unter dein Eindrücke eines tiefbetriibenden Ereignisses. Ein Ruf der Klage dringt über alle Lippen und unsere Herzen sind tief erschüttert von der Schmerzenskunde, die wir vernommen, von der Trauerbotschaft, die gestern alle Kreise unseres Erdteils durchlief. „Die Krone unseres Hauptes ist gefallen" (Klagel. 5, 16)! Unser allgeliebter, hochverehrter Kaiser, der Schirmer des Volkes, der Vater des Vaterlandes, der Schöpfer des deutschen Reiches, der Mehrer seiner Macht und Begründer seiner Herrlichkeit, der Heldenkönig und Friedensfürst, Kaiser Wilhelm, ist gestern in noch nicht vollendetem einundnennzigsten Lebensjahre aus dem Dasein geschieden und nach wenigen Tagen der Krankheit durch einen sanften Tod aus dieser Erdenwelt hinweggenominen worden. Wir haben heute von dem Aufbau und der Vollendung eines göttlichen Heiligtums gelesen, von der Weihe und Herrlichkeit, die niit ihm auf Erden ihren Wohnsitz genommen hat (2. B. M. Kap. 85 ff..), wir haben aber jetzt nur das Gegenbild dessen vor Augen, das Bild der Zerstörung eines Menschenheiligtums, in welchem eine edle Seele gewohnt, ein Geist hiugebender Gottesfurcht und Herzenstreue gewaltet hat. Noch bedürfen wir erst der Fassung und Sammlung, um in Ruhe und in Ausführlichkeit das schildern zu können, was der höchstselige Kaiser und König seinem Hause und seinem Volke, seinem Lande und seinem Reiche, was er der Mitwelt und der Nachwelt, was er seinem Zeitalter und der gesammten Menschheit gewesen ist. Doch das Eine wollen wir jetzt schon sagen: Er war unser Stolz und unsere Zierde, er war das unvergleichliche Vorbild der Fürsten, er ist allen Bürgern des Staates mit dem leuchtenden Beispiele unermüdlicher Pflichttreue, ernster Gerechtigkeit, schlichter Demut und aufrichtiger Gottesfurcht vorangegangen. Er hat nicht nur die vielen Ehren und Würden sondern auch die ganze Sorge und Arbeit des Herrschers auf sich genommen, hat bis ins hohe und höchste Greisenalter die schwere Sorge um die Wohlfahrt des Volkes getragen (Jes. 46, 4) und bis in seine letzten Lebenstage der Erfüllung der von ihm mit hohem Ernste erfaßten Herrscherpflichten sich hingegeben. Wir durfte» es erhoffen, daß es unserem erhabenen Fürsten und Herren, der auch als Greis noch mit jugendlicher Festigkeit das Szepter führte, gegönnt sein werde, noch eine längere Reihe von Jahren hindurch den Kaiserthron zu zieren, doch der Allmächtige hat es anders gewollt. — Neben dem glauzumflosseneu Throne sehen wir heute den düsteren Sarg und — der Kaiser todt! — für immer uns genommen.

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