Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969758--2221-2972395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 70 — portugiesischen Juden Handelsverbindungen auzuknüpfeu, ihre Ansiedelung im Lande zu betreiben und ihnen den Bau einer Synagoge zu gestatten. Ein Rescript von: 3. Januar 1746 erweitert die Rechte der eingewanderten Inden. Armen Juden wurde die Ansiedlnng im Lande nicht erlaubt. Die interessanten Schriften wurden für 517 Kronen erkauft und der Königlichen Bibliothek in Stockholm als Geschenk überwiesen. — Es ist in jüngster Zeit festgestellt worden, daß Amina, die Mutter Muhameds, eine Jüdin gewesen sei. — Am 2. Januar begieng der Schriftsteller A. A. Gottlober in Damno, früher Lehrer an i der Rabbinerschule zu Zittomir, seinen siebenzigsten Geburtstag. Der Jubilar gab unter den« Titel „Ilaboker Or“ eine Monatsschrift für Geschichte und Litteratur des Judentums heraus. Er ist ein hervorragender hebräischer Dichter und gewandter Uebersetzer- Er trat schon im Jahre 1833 mit seiner „Pirche Abib“ Frühlingsblüten in die Welt der Schriftsteller ei», übersetzte auch Predigten von Jellinek, Frankels, „Ans Egypten", Mendelssohn's, „Jerusalem" und Lessings „Nathan". — Herr Anton Uubinstein in Zt. Petersburg ist zum wirklichen Staatsrathe mit dem Prädicate „Excellenz" ernannt worden. — Am 15. Januar wurde in Warschau Herr Zsaalr Ooldniann, früher Lehrer an einem Rabbinerseminar, zuletzt ein hervorragender Buchdrucker, unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe geleitet. — In St. Petersburg starb Herr Hofrat A. B Pumaschemsky, geboren in Wohilem im Jahre 1836. Er war ein hervorragender Rechts- »gelehrter und Schriftsteller. Die Taufe hätte ihm alle Thüren erschlossen, aber er harrte treu als Jude aus und trat ein für die Ehre des Judentums. Die antisemitische Bewegung hatte ihm das Herz gebrochen. Testamentarisch bestimmte er ein Stipendium für jüdische Studierende der Rechte. An seinem Grabe sagte der Schriftsteller Gradowslry: „Es stand auf seiner Warte ein tapferer Held, der sich die Fahne nicht entreißen ließ in guten uud in bösen Tagen." Ehre seinem Andenken! — Im Russischen Heere stehen in Friedenszeiten 54000 jüdische Soldaten. In Kriegszeiteu können 135,000 Mann einberufen werden. — In Moskau sind während des letzten Vierteljahres an 700 Juden ausgewieseu worden. — In Kiew hat man den jüdischen Kutschern den Aufenthalt in der Stadt untersagt, weil ihre Beschäftigung nicht als Handwerk gelten kann. — Die neugegründete polytechnische Anstalt in Kiew läßt Juden au dem Unterrichte nicht teilnehmen. Dabei ist dieses Justitut von Juden zum Andenken an Kaiser Alexander II. gegründet und mit reichen Geldmitteln zur Unterhaltung von ihnen versehen worden. — Die Verurteilung des antisemitischen Redakteurs Herrn Heinrich PierMsbi in St. Petersburg mit 1000 Rubel oder 3 Monat Haft hat wohlthätig eingewirkt. Die Herren werden mit ihren Schmähungen etwas zu- ' rückhaltender werden. — Der Fürst von Bulgarien hat die Rabbiner von j Philippopet in Audienz empfangen und versicherte, daß seine Regierung die Institutionen der Juden stets respeetiren werden. — Prinzessin Elementine, die Mutter des Fürsten von Bulgarien, besuchte am 10. December die israelitische Schule in Sofia und spendete daselbst 500 Frs. zu Schulzwecken. — Herr M. A. Todres in Sofia hat ein Buch unter dem Titel „die Juden und der Talmud" herausgegeben. Der Verfasser hebt hervor, daß es irr Bulgarien keine jüdische Frage gebe und daß die verschiedenen Confessiouen dort einträchtig zusammenleben. — Herr Earl Braun schreibt in der „Gartenlaube" in einem Aufsatze „Bilder aus Bulgarien": Der Vulgär in der Stadt ist ein geriebener Kaufmann, er ist dem Griechen, dein Juden und dem Armenier vollkommen gewachsen. Die bulgarischen Juden stanimen meistens aus Spanien. Als man