Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969754-2969758--2200-2972374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
floplär-uifesettscfraftlidte ottai§blatte^ jur Zetehi uug it6er das äubentum für Gebildete aller Konfessionen. Mrgan des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vi. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 8. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. März 1888. Nummer 3. Dr. Was Gähn geboren 12. August 1808, gestorben 18. Januar 1888. Immer mehr lichten sich die Reihen der Männer innerhalb des Judentums in Deutschland, die mit aller Entschiedenheit und mit eifriger Begeisterung an dessen Verjüngung mitgearbeitet haben, und die, wenn auch verschieden an Geistesgaben und Kenntnissen, doch alle von dem einen Gedanken beseelt waren, eine Reform des Judentums in Lehre und Leben anzubahnen und so die Ideale unsrer Religion in ihrem vollen Glanze erstrahlen zu lassen. Auch der Verstorbene, dem diese Zeilen gewidmet sind, gehörte dem Kreise erleuchteter Männer an, die, getrieben von einer höheren Begeisterung, unentwegt den hohen Zielen nachgingen, auf die uns unsere alten Lehrmeister, die Propheten, an deren Glut wir uns noch heute erwärmen, hingewiesen haben. In einer Zeit, in welcher das Jahrhunderte lang geknechtete und zurückgesetzte Israel das erlösende Wort von der Gleichberechtigung und der bürgerlichen Freiheit vernommen hatte, und es aus den endlich geöffneten Thoren des Ghetto eintreten durfte in den sozialen und geistigen Wettkampf mit seinen christlichen Brüdern, hat der Heimgegangene das Licht der Welt erblickt. Sein Vater, Benedikt Cahn, ein wohlthätiger Mann, der langjähriger Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Mainz war, eiferte mit der hochherzigen sanften Mutter, den kleinen Elias, den jüngsten der Söhne, gewissenhaft zu erziehen. Nach Absolvirung des Mainzer Gymnasiums bezog der junge Cahn die Universitäten zu Gießen und Bonn, um seine wissenschaftliche Ausbildung zu vollenden. Besonders anregend wirkte der Verkehr mit gleichgesinnten und gleichstrebenden Kommilitonen auf der Hochschule der freundlichen