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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-02-01 · Heft 2 (1.2.1888) · p. Seite 36

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 2 (1.2.1888)
Date
1888-02-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 Was fiat das Wriflerilum den Juden zu verdanken? Ueber dieses Thema hielt Reverend Dr. Sommerville out 29. November in Wien einen Vortrag. Er hatte es unternommen, an der Hand der Geschichte die Frage zu lösen und ist zu einem Resultate gelangt, welches durch seine Offenherzigkeit ihn, genügsame Anfeindungen von bekannter Seite einbringen durfte. Reverend Dr. Sommerville betonte eingangs seiner Rede, daß das kleine schwache Judeiwolk auch ans die Geschichte der Völker Europas im Allgemeinen einen bedeutenden Einfluß geübt habe. Allein für die Religion, für die Offenbarung, auf welche sich der Christenglaube stützt, war dasselbe deshalb von größter Bedeutung, weil es der einzige Uebermittler der monotheistischen Idee war. Durch viertausend Jahre ist die Idee vom einzigen Gott im Judenvvlke reingehalten worden. Ringsum fröhnten die gebildetsten und aufgeklärtesten Völker des Altertums der Vielgötterei, das kleine Volk der Juden hielt aber unentwegt an Jehova fest, an Einem Gotte. Und so ist auch durch viertausend Jahre hindurch jede Offenbarung des Alleinigeli Gottes zunächst den Juden geworden; bei ihnen und durch sie sind das Alte und das Neue Testament entstanden und die 39 Bücher des ersteren, welche unzweifelhaft von den Juden tammen, bilden die Grundlage, auf der sich der ganze christliche Glaube, das ganze sittliche Leben aller zivilisirten Völker aufbaut. Allein nicht nur die Bibel hat die Menschheit den Juden zu verdanken, itoch viel mehr: die Juden haben die schier unmögliche Mission erfüllt, das Evangelium Christi über die ganze Erde zu verbreiten; die ersten Christen waren bekehrte Juden, arme ungebildete Juden, die, nur stark im Glauben und eifrig für das, was sie für das Rechte hielten, hinauszogen in das große römische Reich, und die ohne Furcht vor den Folterqualen, mit denen sie bedroht waren, das Wort Gottes verkündeten. Ihren glaubensstarken überzeugenden Lehren konnte sich Niemand verschließen; die zwölf armen Juden haben sich in der christlichen Religion eine bedeutende Stelle ertvorben, als Apostelfürsten werden sie von der ganzen Christenheit verehrt, aber das Allerwichtigste ist wohl die eine unumstößliche, unwiderlegbare Thatsache, daß der Stifter der christlichen Religion, daß der „Herr und Meister selbst" ein Jude war. „Deshalb und das möge die Mitwelt nicht aus den Augen verlieren — so rief der englische Prediger — müssen die Christen die Juden als ihre vollwertigen Brüder anerkennen, sie als solche schätzen und lieben! Denn im Glauben sowohl in inaterieller Hinsicht als auch von der formellen rituellen Seite, im Gesetze und in der Moral haben die Juden und Christen viel Gemeinsames, Vieles, was sich ergänzt und vervollständigt." Lebhafter Beifall lohnte den Vortragenden, der durch mehr als zwei Stunden mit unvergleichlicher rhetorischer Kraft zur Versammlung sprach. Reverend Dr. Sommerville dankte für den ihm gezollten Beifall und für den zahlreichen Besuch und bemerkte, es freue ihn, daß es ihm vergönnt war, an dem Abende, an welchem er sein 49. Dienstjahr als Priester vollendet habe, über eine Frage sprechen zu können, die in Wien aktuell geworden sei, über die Judenfrage, und er hoffe auch, daß zahlreiche Juden seinem Vorträge beigewohnt haben und aus demselben ersehen konnten, wie er, ein welterfahrener Greis, über sie und ihre Vorfahren denke. Dr. Sommerville, welcher, englisch sprach, bediente sich eines Dolmetsch, als welcher Herr C. A. Schneeberger fnngirte. In den Zwischenpausen, während welcher sich Reverend Sommerville, der an 84 Jahre zählt, ausruhte, sangen die Versammelten herzerhebende, geistliche Lieder.

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