Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-01-01 · Heft 1 (1.1.1888) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (1.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969754-2969756--2171-2972343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 wissen Konjunktion der Sonnen- und der Mondbahn veröffentlicht. Er weist Stellen nach, in denen in der jüdisch-mittelalterlichen Litteratur dieser astronomische Terminus, den das ältere Schrifttum nicht kennt, vorkömmt und verbindet damit die Erklärung einer von mehreren Gelehrten mißverstandenen Stelle in einer syrischen Grabschrift. — Der fünfte Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin bringt uns eine wissenschaftliche Beigabe von seel. Rabbiner Di-. P.I. Krankl betitelt: Beiträge zur Litteraturgeschichte der Karäer. Der gelehrte Verfasser, dem wir viele schätzbare Arbeiten über den Karaismus verdanken, liefert uns zunächst einen von lichtvoller Sachkenntnis getragenen Bericht über das arabische Original des Michtawi (d. i. das Umfassende), des Hauptwerkes des karäischen Philosophen Joseph Al-Basir. Durch die Untersuchung über dasselbe stellt sich heraus, was in der hebräischen Uebersetzung, die selbst auch nur handschriftlich vorhanden ist, Zugabe des Uebersetzers Tobia ist und was in derselben Al-Basir selbst angehört. Der Verfasser tveist ferner darauf hin, daß die Kenntnis des philosophischen Systems Albazirs durch die Einsichtnahme in das Original in manchen Punkten erweitert und aufgehellt wird. In dem zweiten Abschnitte entwirft der Verfasser eine Charakteristik des genannten Uebersetzers, dessen Version manche seltsame Eigentümlichkeiten aufweist, die, wie in überzeugender Weise nachgewiesen wird, auf ungenügendes Verständnis des arabischen Urtextes und auf die durch den propagandistischen Eifer der Karäer zu erklärende Schnelligkeit, mit der die Uebersetzung augefertigt wurde, zurückzuführen sind. Durch den Anhang, der eine Uebersicht der Kapitel des Werkes enthält, gewinnt man eine beiläufige Vorstellung von dem Inhalte desselben. — Von Herrn Liebmann Adler, emeritirtem Prediger der „Ansche Maarab" in Chicago, ist erschienen: „Zeenna Ureenna". Ein religiöses Belehrungs- und Erbauungsbuch, dem Texte der fünf Bücher Moschehs folgend. Von diesem für sechzehn Hefte berechneten sehr zeitgeniäßen Buche liegen uns fünf bereits vor. Sie enthalten viel Belehrendes und Gediegenes, wie es sich nicht anders von dem gewandten, erfahrenen, im 76. Lebensjahre stehenden Verfasser erwarten ließ. Derselbe lebte vor 56 Jahren hier in Frankfurt a. M. und war ein Schüler R. Aron Fuld's. Herr Adler trug sich schon sehr lange mit dem Gedanken, für das veraltete „Zeenna Urenna," das in jedem jüdischen Hause früher zu finden war und aus dem Frauen und Mädchen religiöse Belehrung schöpften, ein neues zeitgeinäßes Buch, das es ersetzen und dem gebildeten Bewußtsein unserer Zeit angepaßt sein sollte, zu schaffen und wir müssen ihm für die Ausführung Dank und Anerkennung zollen. Es sind durchweg gedankenreiche und schwungvolle Betrachtungen, die geeignet sind, Begeisterung für das Judentum zu erwecken. Wir heben aus der zweiten Betrachtung „der erste Bibelvers" zwei Sätze hervor, die in unserer Zeit ganz besonders beherzigt zu werden verdienen: Mit dem Strom treiben ist irdisch; aber im Dienste der Wahrheit und besserer Erkenntnis fest zu stehen gegen den Strom; allein stehen im Recht wie ein Fels, wenn auch auf tausend auf- und niedersteigenden Wellen die Flut öffentlicher Meinung ringsumher tobt, Grundsätze und Prinzipien schaukeln und schwanken, das ist himmlisch. Die nüchterne Sorge für zeitliche Wohlfahrt ist irdisch; aber auch an das Ewige denken und für das Ewige Zeitliches opfern, ist himmlisch.-Fortschritt heißt: immer mehr Himmel der Erkenntnis der Herzens- und Geistesbildung; immer mehr Duldung, Brüderlichkeit, friedliches und einträchtiges Leben im gesellschaftlichen Umgang wie im Verkehre der Völker und Reiche untereinander- Wir werden auf das Werk des Herrn Adler bei dessen Vollendung noch in eingehender Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.