Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 Juden noch als jüdische Sekte zu betrachten. — In Warschau wurde neuerdings eine Verfügung erlassen gegen die langen Kaftans und Haarlocken der Juden. — Die „Ga;cta Gahulra", ein antisemitisches Blatt in Rußland, wurde für die Dauer von acht Monaten wegen Hetzartikel gegen die Juden suspendiert. — Die Judenhetze dauert im russischen Reiche mit unverminderter Härte fort. Im vorigen Monat wurden aus Nikalajew 300 Fainilien über die Grenze geschafft, obgleich sie dort schon zwanzig bis dreißig Jahre ansässig waren. In drei bis acht Tagen hatten sie die Stadt zu räumen. Andere Israeliten lösen daher, mit Rücksicht auf die kommende Austreibung, schon ihre Geschäfte auf. Die Zahl heiratsfähiger junger Juden ist durch die Hetze so zusammengeschmolzen, daß'in Krementschug und anderen Orten viele junge Jüdinnen zum orthodoxen Glauben übergehen, um an den Mann zu kommen. - Auch aus Tiflis sollen alle fremden Juden ausgewiesen werden. — In Karelij in Rußland gab es jüngst wieder einen Judenkrawall. — In Klustn ist die Synagoge abgebrannt. An 200 jüd. Familien sind obdachlos, mehrere Menschen kamen ums Leben. — Herr Widnio;cn>, ein Jude in Zt. Petersburg, wurde zum Geheimrat ernannt. — Wie „Hazephirah" berichtet, starb in Warschau Herr H. Gras im Alter von 103 Jahren. Er hinterließ zwei Söhne, drei Töchter und hundertachtuudvierzig Enkel und Urenkel. — Ein jüdischer Arzt in Warlchau, mit Pseudonym I)r. Esperanto, hat eine von ihyi erfundene neue Weltsprache durch eine Brochüre eingeführt, die in den Kreisen der Intelligenz großes Aufsehen erregt. Sie soll vor dem Volapück den Vorzug größerer Leichtigkeit zum Erlernen haben. — Fürstin Athalia Gortschakom schreibt ein Buch in französischer Sprache unter dem Titel „Inifs et Chretiens", das demnächst in Paris erscheinen wird. — Lieutenant Greeley, der bekannte Chef der nordamerikanischen Nordpolexpedition, widmet dem englischen Astronomen Eduard Israel, der auf der beschwerlichen Reise ein Opfer seines Forschungstriebes gestorben, einen Nachruf, in welchem er seine hohe wissenschaftliche Begabung, sein bescheidenes Wesen und seinen herrlichen liebevollen Charakter hervorhebt. — In Ceuta erscheint ein antisemitisches Blatt „Afrika" in spanischer Sprache- Nach demselben wohnen daselbst 300 Juden, welche Handel und Industrie beherrschen. Das Blatt ermahnt, dieser hebräischen Lavine Einhalt zu thun. Thatsächlich wohnen aber in Ceuta nur 150 Juden, die fast alle in sehr bescheidenen und mitunter sogar in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. — Missionäre haben im Innern von China eine Thora, deren Griffe aus massivem Silber bestehen, aufgefunden und dem Museum in Honkong überwiesen. — In Palästina wird das Verbot der Ansiedlung fremder Juden strenge gehandhabt. Eine mehr als einmonatlicher Aufenthalt wird nicht gestattet. — In Jerusalem war die Hitze im November während des Tages bis auf 27 Grad gestiegen. Am Morgen und Abend waren 22 Grade- Es herrschte dadurch großer Wassermangel. Herr Baron Eduard v. Rothschild hat während seines Aufenthaltes in Palästina einer jeden Familie der Kolonie „Ekron" zur Herstellung eines Viehstandes 1500 Francs geschenkt. — In Jaffa errichtet Herr Herzenstein eine große Stearinkerzenfabrik, die erste in der ganzen Türkei. Weferale und Milleitimgen. Der gelehrte Litteraturforscher A. Harkavy in It. Petersburg hat eine kurze gediegene Abhandlung über den Gebrauch des Wortes Teli zur Bezeichnung einer ge-