Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Resultat einer Ursache ist, glauben wir, uns von einem Gegenstände nicht eher entfernen zu dürfen, als bis wir uns eine vollständige Serie der einschlägigen fragen gestellt und versucht haben, uns auf Grund der verfügbaren Quellen die bestmögliche Beantwortung derselben zn verschaffen. Darauf bedacht, unser Alter in den rumänische» Ländern zu erforschen, müssen nur die Daten unserer verschiedenen Einwanderungen, die Gründe, welche unsere Vorfahren zu solchen veranlaßt haben, verfolgen und ihren moralische» und materiellen Zustand, ihre früheren und ihre jetzigen Gewohnheiten, Beschäftigung, die Gesetze oder Gebräuche, unter denen zu leben sie herbeigernfen wurden; die örtlichen Umstände von denen sie beeinflußt worden, ihre Beziehungen zu Land und Volk, die Rolle welche sie zu verschiedenen Epochen gespielt, das innere Leben und die Gemeinde- Einrichtungen, soweit als möglich, näher untersuchen. Unsere Aufgabe ist, wenn wir sie in diesem Sinne anffassen, gar nicht so leicht und wir werden noch viel zu kämpfen haben, bis es uns gelingen wird, das erforderliche Material zum Vorschein zu bringen, ans daß eine geschickte Hand es verstehe, dasselbe zu verarbeiten, uns alle Epochen zu Gesicht zu bringen und uns durch alle Phasen und Wechselfälle eines Jahrhunderte langen Lebens unter seine eigentlichen und reellen Formen passieren zu lassen. Da also unser Verein bei seiner Gründung einen rein tvissenschaftlichen Zweck vor Angen hatte, so muß der politische Teil der Frage vom Bereiche seiner Forschungen ganz verschwinden und wegbleibeu. Aber wenn wir auch keine kämpfende Politik treiben wollen und dürfen, so ist es darum nicht minder wahr, daß die unparteiischen Dokumente dazu angethan sind, die historischen Jrrtümer verschwinden zu machen, mit deren Hilfe ein unbegründeter Haß gegen uns unterhalten wird. Wenn z. B. Männer von hoher sozialer und politischer Stellung im Lande behaupten, daß die Judenfrage hier zu Lande in Folge Einführung spirituoser Getränke durch Juden entstanden; daß der erkünstelte Haß und die Plackereien, denen die Juden seit einiger Zeit ansgesetzt sind, dem Umstande zuznschreiben seien, daß sie den Handel und die Industrie den Händen der Rumänen entrissen und zwar durch unehrliche Konkurrenz; daß beinahe alle Juden Fremde von Geburt seien?c., so werden, ohne uns mit diesen Anklagen und Beschuldigungen oder mit anderen dieser Art direkt zu beschäftigen, dieselben bloß durch ruhige und leidenschaftslose Feststellnng der historischen Wahrheit die gebührende Widerlegung finden; denn jede Frage vom sozialen Leben ist ein Thema, daß der Historiker seinen Forschungen zu unterwerfen und mit dem verdienten Ernst zu studieren verpflichtet ist, um es möglichst gut zu beleuchten. Wer von einem politischen Gesichtspunkte ansgehet, indem er die Dinge in der von Leidenschaft »och zuckenden Gegenwart beurteilt, kann oft irren; während der Historiker, welcher seine Untersuchungen in Gemütsruhe und ohne Voreingenommenheit über Dinge anstellt, die schon vollendete Thatsachen sind, aber in der Gegenwart noch ein Echo finden, im Stande ist, dieselben in ihrem vollen Lichte zum Vorschein zu bringen. Entschlossen, von dem sich vorgezeichneten Wege nicht abzuweichen, hat und wird das Komitä sich nur mit dem Sammeln solcher Urkunden beschäftigen, welche von dem engen Kreis der Gegenwart und der lebendigen Leidenschaften ausgeschlossen sind und, wird, blos dasjenige Material dem Studium unterwerfen, welches einer Zeit angehört, die mit kalter Ueberlegung betrachtet werden kann.