Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1887)
- Date
- 1887-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Frau Sara de Kolli, eine Anverwandte Lord Beaconssield's. — Herr Dr. Arrigo Marroni wurde zum Primarärzte der „Barmherzigen Brüder" in Neapel ernannt. — Unter dem Vorsitze Znles Simons hielt Adolphe Krank in Paris am 13. Mai in der nationalen Liga zur Bekämpfung des Atheismus einen Vortrag „über die Idee Gottes in der Geschichte der Menschheit". — In Paris erscheint seit Kurzem durch Alerandre Bellele eine Zeitschrift „L’Expulsion des Juifs“, rue Viseonti 21 und wird vielfach durch Kolporteure auf den Straßen ausgeboten. Eine illustrierte Nummer, die uns zugegangen, genügt, um uns ein Bild zu geben von dem verderblichen Einflüsse, den solche Lektüre auf den großen Stadtpöbel auszuüben im Stande ist. — In Leeds wurde jüngst die Synagoge erbrochen und einiger Wertgegenstände beraubt. — Der Emigrations- Verein in London hat im abgelaufenen Jahre 316 Personen befördert, darunter nur eine nach Jerusalem. — Am 16. Mai hielt Herr f. L. Cohen in London einen Vortrag über Ursprung und Entwickelung der synagogalen Musik. — Am 25. April tagten in London auf Anregung des Lord Nathaniel v. Rothschild eine Versammlung, die sich die Regelung des Synagogengesanges zur Aufgabe machte. Es wurde beschlossen, ein Handbuch zu veröffentlichen, welches eine Auswahl von Synagogengesängen enthalten soll. — In der Königlichen Kommission, welche ein neues Strafgesetzbuch für die Holländischen Kolonieen in Asien ausarbeiten soll, befinden sich zwei Juden. — Das Gemälde „Moses, die Gesetzestafeln vom Berge Sinai herunterbringend" von dem englischen Maler Herbert wurde nach Amerika verkauft. — Aus Paris schreibt man: Ein eigenes Symptom judenfeindlicher Gesinnung macht sich in Frankreich geltend. Es scheint den Franzosen noch immer im Gedächtniß zu haften, daß es ein Jude war, Namens Deich, Sohn eines Rabbiners von Straßburg, der im Jahre 1832 die Herzogin von Berry, die sich verborgen hielt, an Ludwig Philipp verriet. Wenigstens wird seit dieser Zeit jeder nach einem jüdischen Namen anklingende Fall benutzt, um auf jüdische Herkunft hinzuzeigen. So in der Affaire „Baron Erlanger", der vom Obristen Noirton zum Duell herausgefordert ward, weil dieser auf Rat des Banquiers sein Geld in eine Spekulation gesteckt und verloren hatte. Baron v. Erlanger mußte den Zeitungen schreiben, daß er nicht „Jude" sei, sondern seit seiner zartesten Kindheit in den Schoß der lutherischen Kirche ausgenommen wäre, worauf die Zeitungen mit Recht erwiederten: „Die Frage der Religion ist bei uns nur in Detail, denn wir kennen sehr viele redliche Juden!" Aehnlich ist der Fall mit der jetzt beigelegten Affaire Schnäbele, worin der Polizei-Agent Gautsch, welcher Schnäbele nach Deutschland herüberzog, als „Jude" von allen Blättern ausgeschrieen ward. Der Oberrabbiner Zadolr Kahn in Paris mußte demzufolge bei dem „Journal des Debats" feierlich gegen diese Aufoktroirung eines Nichtjuden Protest einlegen. — Dr. Ichilter-Istnelly gießt in der „Jevish World" eine Abhandlung über das Testament der zwölf Patriarchen, ein alther überliefertes Buch, das die letzten Worte der Söhne Jakobs enthält, und wohl dem letzten Ende des ersten oder dem Anfänge des zweiten Jahrhundert n. CH. entstammt. Das Werk wird mit Achtung schon von Origenes erwähnt. Sein Urtext ist griechisch. Es finden sich noch griechische Manuskripte in der Bodleyan Bibliothek, im Vatikan, in der Klosterbibliothek von St. Johannes zu Patmos. Lateinische Uebersetzungen sind häufig. — Die Missionsgesellschaften in England zur Bekehrung der Juden haben im abgelaufenen Jahre an 900,000 Mk. verausgabt. — Äfidoro Lope; Lapnya in Madrid, der mit Eifer für die Einwanderung von Juden in Spanien eintritt, gedenkt bald daselbst einen Betsaal zu