Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1887)
- Date
- 1887-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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164 lose israelitische Kunstjünger Stipendien erhalten sollen. Auch sollen Preise ausgeschrieben, Ausstellungen arrangiert und jüdische Meister zu größeren Schöpfungen angeregt werden. Wir erfahren aus diesem Aufrufe, daß Munkaczy zu den Juden gehört. — Der Abgeordnete von Schönerer in Wien bezeichnete den Antisemitismus als die größte Errungenschaft des gegenwärtigen Jahrhunderts. Der Abgeordnete Dr. Toi»as)li»k, Professor an der Universität in Czernowitz, wies diese Frivolität unter Zustimmung des Reichsrates in die gebührenden Schranken. Genealogische Forschungen haben schon manchmal schlimme Resultate für die Erforschten ergeben: das neueste Opfer einer solchen ist derselbe Herr von Schönerer, der größte Judenfeind Oesterreichs geworden. Die Gattin des Abgeordneten von Zwettl, die Mutter seiner Kinder, ist die Enkelin eines erzherzoglichen Wirthschaftsbeamten und späteren Postmeisters, eines Edlen von Gschmeidler, dessen Gattin wiederuni die Tochter eines auf den Namen Leopold Provander getauften Juden war, als Jude Schmuel Leeb Kohn geheißen. Das Alles mag nun ein sehr geringes Interesse haben, aber es wird interessant angesichts einer vor Kurzem im Abgeordnetenhause gehaltenen Rede, in welcher Herr von Schönerer nach Ausweis des stenographischen Protokolls wörtlich Folgendes sagt: „Unser Antisemitismus richtet sich nicht gegen die Religion, sondern gegen die Race-Eigentümlichkeiten der Juden. Unserem Volke mit seinem gesunden nationalen Sinn werden Sie es niemals weiß machen können, daß die aus einer Judenfamilie stammenden Kinder etwas anderes als immer wieder Juden seien, daß aus ihnen jemals etwas anders als immer wieder Juden werden können, wenn sie auch im Interesse ihres Fortkommens sich taufen lassen." Das ist klar und deutlich. Was ist es aber, wenn Kinder jüdischer Race „niemals", auch wenn sie getauft sind, „etwas anderes als immer wieder Juden sein und werden können", mit den Kindern des — Herrn von Schönerer? — Am Schlüsse seiner Rede anläßlich der Budgetdebatte in Wien am 9. Mai sprach sich der Oesterreichische Kultusminister von Gautsch gegen den Antisemitismus aus. — Herr Graf Albert Apponyi hielt am 1. Mai in Mohärs eine Rede, in welcher er die Antisemiten als Schänder des Vaterlandes bezeichnete. Auch Nossutth richtete an seine Freunde in Ungarn ein Schreiben, in welchem er es als Schande bezeichnet, Juden zu verfolgen. — Der greise Missionär v. Dabroivski hat in einer Rede, gehalten zu Gwochflec, seine christlichen Zuhörer in Moral und Ausübung religiöser Pflichten dürchgehends ans die jüdischen Mitbürger verwiesen und dringend zur Nachahmung ihres Beispiels ermahnt. „Ihr klagt wohl" — sagte der Prediger unter Anderem — „über die Geldgier der Juden und deren Lüsternheit nach pecuniärem Gewinn, aber gestehen müsset ihr doch, wenn man einem armen Juden eine große Summe Geldes darböte, daß er dafür seinen Sabbat oder gebotene Feiertage entweihe, dieser gewinnsüchtige Jude würde den leckern Taschenschmaus zurückweiseu. Was thut aber nicht einer von Euch an seinem Feiertage um eines elenden Guldenstücks willen? Der schacherische Jude schätzt also noch immer die Religion als das kostbarste Kleinod. Ihr habt in allen Dörfern Kirchen und Prediger, aber wie Wenige denken daran, die Kirche zu besuchen, deni Gottesdienst und der Predigt beizuwohnen! Betrachten wir nun als Gegenstück die Dorfjuden, es fehlt ihnen wohl die Synagoge im Wohnorte, doch s i e ermangeln nicht beim Gottesdienst zu erscheinen. Schon in aller Frühe werfen sie am Sabbat oder an Feiertagen ihren Betmantel um den Nacken und wandern zu Fuß in die nächste Stadt, wenn diese auch oft ziemlich weit entfernt liegt, um daselbst in ergreifender und. inbrünstiger Weise ihre Gebete zu verrichten.-" — Die städtische