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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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159 Feste haben.') In Folge der Armut widmen sich Viele Beschäftigungen, die wenig einträglich sind, aber um so notwendiger uiib nützlicher für das allgemeine Bedürfniß, so daß nach R. Josua ben Levi's Ueberlieferung die Männer der großen Versammlung 24 Fast- und Bitttage bestimmten und abhielten, um von Gott zu erflehen, daß die Thora-, die Tephillin- und die Mesnsaschreiber nicht reich würden, weil sie sonst die gottgefällige, aber beschwerliche und wenig lohnende Arbeit gewiß aufgeben würden.^) Die Kinder der Armen empfiehlt der Talmudl) * 3) als das beste und tauglichste Material für die künftigen Gelehrten, der besonderen Aufmerksamkeit; denn sind erst die Armen nicht unterrichtet, nicht religiös und moralisch durch die Lehre Gottes erzogen, dann sind sie wahrhaft arm.^) Die Armut darf ebensowenig wie der Reichtum ein Verhindernngsgrund sein, sich dem Studium der Religion vollkommen hinzugeben. Würde der Arme durch die Armut nnd die Beschränktheit der Mittel sich entschuldigen wollen, daß er nur dem Lebensunterhalt und nicht der Beschäftigung mit der Gotteslehre sich widmen kann, so hält ihm die jüdische Geschichte zur Widerlegung den berühmten Patriarchen Hillel vor. Dieser besaß nichts, als was er täglich verdiente. Das machte 'U Drachme, wovon er die Hälfte zu seiner Ernährung, die andere Hälfte für den Eintritt in das Lehrhans verwendete. Eines Tages verdiente er die Summe nicht, und der Pförtner verwehrte ihm den Eintritt. Um den Vortrag Semaia's nnd Abtalion's auch nicht ein einzigesmal zu versäumen, stieg Hillel auf's Dach und legte das Ohr an die Luftöffnung, damit er alles höre, was in der Schule verhandelt werde. Es war an einem Freitage des Monates Tebeth (Dezember). Die ganze Nacht hindurch fiel ein heftiger Schneesturm. Des Morgens sprach Abtalion zu seinem Freunde Schemaja ganz verwundert, daß es heute so ungewöhnlich dunkel im Zimmer sei. Wie sie so umherspähten, erblickten sie oberhalb der Lichtöffnung eine Menschengestalt, welche unter einer drei Ellen tiefen Schneelage vergraben war. Er wurde nun hervorgezogen und von seiner Erstarrung zum Leben gebracht. Die Lebensrettung dieses Mannes ist so wichtig, daß der Sabbat seinetwegen mit Recht entweiht worden ist, sprachen die Lehrer. ") Ja, es scheint fast, als ob die Gelehrsamkeit nur auf dein Wege der Armut zu erreichen sei, denn man gelangt dahin nur, wenn man das Brot mit Salz, das Wasser zugemessen genießt, auf der Erde schläft und ein Leben voll Sorge und Entbehrung führt.u) Die Thora beklagt sich bei Gott, warum denn die Jünger der Thora arm sind, während es doch heißt (Sprüche Sal. 3, 16): „In ihrer (Thora) Linken ist Reichtum und Ehre". Gott antwortet ihr: die Jünger der Thora sind darum arm, damit sie sich in diesem Leben nicht mit andern Dingen beschäftigen und der Thora vergessen, wie es heißt: Reichtum inacht den Weisen thöricht?) (Koh. 7, 7.) Die Söhne Jethros, welche sich zum Judentume bekehrt hatteil, wollten die ihnen zugedachte Stadt Jericho nicht annehmen. Jericho überbot ganz Palästina an Genüssen, Früchten und Annehmlichkeiten, und aus eben diesen Gründen wollten die Söhne Jethros durch diesen üppigen Besitz sich nicht verweichlichen, denn ihnen that, wie sie erklärten, vornehmlich die Beschäftigung mit der Gotteslehre not und daran hindern Reichtum und Ueppigkeit; sie wählten eine bescheidene, armselige Berggegend. 8) (Fortsetzung folgt.) l) Sabb. 145, b; Kidd. 49; >) Pfs. 50, b; Nedar, 81. 4) >kidd. 49, l>; äi >m« 35,1,; 0) Moth 6. 0, 4; 7j Midre Jalkut., Mischte, 3, 10; der Midrasch lieft hier statt „Oschek" Bedrückung, „Oscher" Reichtum; *) Midr Tauch zu Jethro u. M. Neelam Genes.

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