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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-06-01 · Heft 6 (1.6.1887) · p. Seite 143

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (1.6.1887)
Date
1887-06-01
Page
Seite 143 (sequence 23)
Language
German
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143 Lösuugsversuche so alt sind, wie die Welt. Die innige Liebe Leopold Komperts für seine Stammgenossen, wie dieselbe sich in seinen jüdischen Novellen bekundet, paart sich in diesem Büchlein des Herrn Frank mit der eleganten, literarisch fließenden Schreibweise Paul Lindaus, der de» heutigen Schriftstellermarkt ja beherrscht. In: Genre der Reiseromanbibliothek dieses letzteren ist das Büchlein durchaus gehalten, und wäre es sehr zu wünschen, daß die in ihm enthaltenen Ansichten weitmöglichst ini Volke verbreitet werden, um eine wahre Anschauung über die Verwerflichkeit und die eigennützigen Ziele des Antisemitismus wie über das wahre Wesen und den ehrfurchtgebietenden Inhalt des auf Vernunft und wahre Menschenliebe gegründelen Judentums zu befördern. — Von E. Berliner ist erschienen „Professor Dr. M. Lazarus und die öffentliche Meinung" (Verlag von Walther und Apolant in Berlin.) Die Aufsehen erregende Schrift des Herrn Prof. Lazarus „An die deutschen Juden" hat eine ganze Literatur hervorgernfen. die in Tagesblattern, Zeitschriften und Broschiiren zerstreut erschienen ist. Um nun das Urteil der öffentlichen Meinung über die vielbesprochene Kundgebung des Herrn Prof. Lazarus festzustellen, hat sich E. Berliner der Aufgabe unterzogen, die kritisirenden Aufsätze, soweit dieselben durch ihren Inhalt oder durch die Stelle, an welcher sie veröffentlicht wurden, Beachtung verdienen, nach Parteien grnppirt, herauszugeben. Wir ersehen daher aus seiner Schrift, welche Stellung der Freisinn, welche die Konservativen, welche endlich die Juden, an welche Lazarus' Schrift in erster Reihe gerichtet ist, einnehmen. Indem nun Berliner den Inhalt der Lazarus'schen Schrift in seiner Broschüre kurz skizzirt, hält er den Ansichten von Lazarus gleichzeitige Kundgebungen von hervorragender Seite, wie z. B. von Prof. Beyschlag, entgegen und beleuchtet so in frappanter Weise die Lazarus'schen Ausführungen. Dergestalt läßt E. Berliner die Lazarus'sche Schrift sich einerseits in den aus den verschiedensten Parteilagern hervorgegangenen Preßurteilen spiegeln, andererseits aber in den dasselbe Thema behandelnden Aeußernngen bedeutender Männer. Die Berliner'sche Schrift wird daher für diejenigen, welche Lazarns „An die deutschen Juden" gelesen haben, hochwillkommen sein. Als dazu gehörig verdient hervorgehoben zu werden die Schrift von Herrn Dr. L. Goldschmidt, geheimem Justizrat und Professor der Rechtswissenschaft au der Universität in Berlin „Zur Reichstagswahl am 2 t. Februar und 2. März 1886 (Puttkamer und Mühlbrecht 1887)", in welcher derselbe auch eine warme, aufrichtige, wohlthuende Teilnahme für seine Glaubensgenossen bekundet. - Im Verlage der Stuhr'schen Buchhandlung in Berlin ist erschienen: „Ueber Stoffe altdeutscher Poesie" von Dr. S. Gelbhails, Rabbiner und Prediger in Nordhausen (83 S.) Der Verfasser sucht nachzuweisen, daß bei der Behandlung der deutschen Sagen- und Märchenwelt, die man bislang für urgermanisch hielt und bei der ab und zu indische Einflüsse zu bemerken sind, auch die jüdische Litteratur zu Rathe zu ziehen ist, aus der Sagenstoffe, umarbeitet nach Zeit und Verhältnissen, herzuleiten sind. Der Verfasser hat es verstanden, bei seiner großen Belesenheit in den einschlägigen Litteraturen in geistvoller Weise die Beziehungs- und Berührungspunkte der altjüdischen und germanischen Sagen- und Märchenwelt und die Einfliisse der ersteren auf letztere klar zu legen und ist dadurch von neuem dargethan, wie notwendig, ja geradezu unentbehrlich das Studium der jüdischen Litteratur auch für Wissenszweige ist, die man ohne Beziehung zu derselben glaubte. Den Schluß dieser sehr schätzenswerten Arbeit bildet die den Lesern unserer Monatsblätter bereits bekannte Abhandlung des Verfassers „Ein jüdischer

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