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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 110

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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7*^ f? 7 -*■ n >"- - -' ' >' f - ■ •'■ ' ' - 110 - auch das geistige, zehrt sich auf, wenn immer nur davon genominen und nichts oder nicht genügend hinzugethan wird. In den Städten, wo dieses Erbe noch groß ist und gute Beispiele als Vorbilder zur Nachahmung wirken und auffordern, sind die Zustände heute noch erträglich, aber auf dem Lande und in kleinen Gemeinden, wo alles dies fehlt, sind sie heute schon oft Schrecken erregend, namentlich durch einen Ausblick in die Zukunft. Da muß Hilfe eintreten und Wandel geschafft werden! Gar viele Gemeinden sind ohne Religionslehrer und noch mehr ohne Prediger. Oft haben die Lehrer selbst keinen Unterricht genossen, sind oft aller und namentlich pädagogischer Bildung bar. oder blos bei seminaristischer Bildung, die nur im günstigsten Falle gefordert wird, genügen sie nicht für den höheren, wissenschaftlichen Religionsunterricht, und noch weniger für die fortbildende Belehrung und Erbauung der Erwachsenen. Nur in sehr wenigen Gemeinden wird Religionsunterricht auf den Oberklassen der höheren Schulen ertheilt; hier aber entbehrt die Jugend der Teilnahme am Gottesdienste, in der späteren Zeit des Geschäftslebens ist dies noch viel häufiger der Fall, und das Haus bildet nicht einmal Ersatz dafür. Wie ivill man da auf religiöse Gesinnung und That im Leben hoffen? Die Träger des religiösen Lebens sind heute unsere Gemeinde-Vorstände, nicht die Rabbiner. Diesen aber muß naturgemäß mehr Einfluß auf das religiöse Leben eingeräumt werden, und doch haben sie diesen Einfluß nicht, und doch üben die Vorsteher ihn nicht, teils ans Mangel an Verständnis, teils aus Mangel an Zeit und Interesse dafür. Die finanzielle Leitung der Gemeinde bleibe den Vorstehern, und religiös gebildete und gesonnene Vorsteher sind auch zur religiösen Leitung mit heranzuziehen; aber Wahn und Frevel ist es, von religiösen Fragen die Rabbiner geradezu auszuschließen, aus Furcht vor der Hierarchie oder aus Lust an dem Puppenspiel der Alleinherrschaft. Es ist des Schadens schon jetzt genug! Sollen wir warten, bis unsere Tempel verfallen sind? es ist höchste Zeit, daß Hand an ihre Ausbesserung gelegt werde. Selbstverständlich ist auch nicht von der Alleinherrschaft der Rabbinen die Rede, sondern nur von ihrer Mitwirkung. Darin läge vielleicht oft nur ein Wechsel und Tausch der Personen, wir aber sagten: für die Sache muß Wechsel und Wandel geschafft werden. Das Volk fühlt richtig und ruft den Rabbinern zu: Bessert und helfet! Aber es weiß nicht, daß deren Arm und Einfluß lahm gelegt ist und alle Macht und aller Einfluß bei den Vorstehern ruht, welche die Rabbinen als von ihnen bezahlte Untergebene ansehen. Rufet darum den Vorstehern zu: babeant sibi eonsules, ne quid detrimenti respublica capiat! „Habet Acht, ihr Konsule, daß das Staatsgebäude keinen Schaden leide." Es gilt dies ebensogut vom Religionsgebäude und dessen Wächtern. R.-A. Won aisschau. Aus Dresden schreibt man uns: Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann, Vorsteher der hiesigen Gemeinde, feierte am 26. März sein fünfnndzwanzigjähriges Ehren-Amtsjubilänm. Zur Beglückwünschung fanden sich schon am frühen Morgen bei ihm der hiesige Oberbürgermeister Herr Dr. Stilbet nebst einigen Stadträten ein. Sodann erschienen die Vorsteher, die Deputierten der Kultusgemeinde mit dem Rabbiner Herrn Or. Winter an der Spitze, welch' letzterer die Ansprache hielt. Auch die Gemeindebeamten brachten dem verehrten Jubilar ihre Glück-

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