Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1887)
- Date
- 1887-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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sehr Vater Krönte bedauert habe, daß er, erst im letzten Augenblick von einer Reise zurückgekehrt, nicht mehr an der Leichenfeier im Tempel sich beteiligen konnte, und dann fortfuhr: „Der herrliche Name, welchen der Verstorbene erworben, ist in der That besser als das kostbarste Öl, denn er krönt ihn an seinem Sterbetage mit dem Lorbeerkranz des Ruhmes und der Siegespamle, da es ihm gelungen ist, die Schranken von Sekte, Form und Glaubensbekenntnis zu durchbrechen. Und wie in den letzten Monaten während seiner Krankheit ihm von allen Seiten die rührendsten Beweise der Liebe und Anhänglichkeit gegeben wurden, so ist es das schönste Zeugnis für seinen Wert als Mann, daß bei seinem Leichenbegängnis dieser Tempel ein Bild zeigt der herrlichen Zeit, verkündet von den alten Propheten, in der nur ein Hirt sein wird und eine Heerde, und das Haus des Allvaters ein Bethaus sein wird für alle Völker. Ueber dem Sarge unseres Freundes reichen sich die Anhänger der verschiedensten Glaubensbekenntnisse ihre Hand in brüderlicher Liebe und erkennen, daß in religiöser That wir alle eins und untrennbar sind." W i 11 e i k u n g e n. Am 25. Januar hielt Herr vr. Zfidor Rracauer in der Generalversammluitg des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Knnlifurt a. M. einen äußerst interessanten Vortrag über „Ein Zwangsanlehen bei der Frankfurter Judenschaft im dreißigjährigen Kriege". Der Redner schilderte auf Grund von archivalischen Studien, wie Graf Mansfelds leere Kriegskassen durch das Geld der Frankfurter Juden gefüllt werden sollten, die, um sie gefügig zu machen, auf alle niögliche Weise bedroht und eingeschüchtert wurden. Der Oberstlieutenant Lippe hatte die Aufgabe, mit den Juden hierüber zu unterhandeln, und verlangte nicht weniger als 100 000 Thaler von der Frankfurter Judenschaft. Der Rat der Stadt Frankfurt hatte anfangs nicht den Mut für die Juden einzustehen, obwohl er von der Ungerechtigkeit der gestellten Forderung überzeugt war. Eine direkte Unterhandlung von Seiten der jüdischen Gemeinde mit dem Grafen von Mansfeld drückte allerdings dessen Forderung nur auf 10000 fl. herab, die er so rasch wie möglich erlangen wollte, um zu retten was man retten kann, da Christian von Braunschweig herannahte, der aber auch von dem Rate verlangte, die Juden zur Zahlung von 20000 Thalern zu veranlassen. Hier erwies sich der Rat entschiedener, er wies Christian zurück und sagte, er irre sich, wenn er meine, die Juden seien der Willkühr eines jeden preisgegeben, da sie „unter des senatus Schutz und Schirm begriffen" seien. Auch Tilly wandte sich an den Rat. Es waren also Auführer dreier feindlicher Heere in dieser Judenauspressungsfrage beschäftigt und verwickelt. Die Erpressungen blieben freilich nur Forderungen, denn bezahlt wurde — Dank der Hartnäckigkeit der Israeliten und des Frankfurter Rats und schließlich eines kaiserlichen Schutzbriefs — thatsächlich nichts, obschon eine theoretische Schuld von 10000 Gulden sich wie ein roter Faden durch ein Jahrzehnt hinzieht. Zum Glück verjagten die Plagegeister einer den anderen, wenn auch einer nach dem andern immer das Erbe des Vorläufers antreten wollte. — Herr Dr. Innikel in Berlin ist wegen andauernder Krankheit aus der Redaktion der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" ausgetreten. — Die Gesänge des Herrn Öberkantor Rosenhaupt in