Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1887)
- Date
- 1887-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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H - 69 — von Israeliten stellt sich die Aufgabe, in jeder großen Stadt, mit Madrid anfangend, eine Synagoge zu eröffnen, jüdische Friedhöfe anzulegen und für die persönliche Sicherheit der Juden die Verantwortung zu übernehmen. — Am 2. Januar wurde in Uew-Uork in feierlicher Weise ein Rabbinerseminar eröffnet, zu dessen Lehrkörper auch die Herren Dr. Kohnt und Dr. Iola-Mende; gehören, Herrn Rabbiner $. Monns in Philadelphia wurde die oberste Leitung übertragen. Die Rede, die Herr Dr. Kohut bei der Eröffnungsfeier gehalten, stellt die Anstalt als das zweitgeborene Kind jüdisch-amerikanischer Geistesschöpfung dar. In derselben werden auch die großen Verdienste des Herrn Dr. Mise gebührend hervorgehoben. Wir sehen zu unserer Freude, daß die neue Anstalt in Kew-Uork in keiner Opposition zu ihrer Schwesteranstalt in Cincinatti steht, wie das so gerne von den Orthodoxen ausposaunt wird. — Aus Koihester schreibt man uns: Am 27. Dezember fand vom Tempel der Beth-llion-Gemeinde in Buffalo das feierliche Leichenbegängnis des Rabbiners Samson IalK statt, der nach 20 jährigem Wirken in dieser Gemeinde am 24. Dezember verschieden war. Die Feier wurde geleitet von Rabbiner Di. Max Landsberg aus Kochester, der die Hauptrede hielt, unter Mitwirkung von den Rabbinern Dr. M. Schlestnger von Albany. A. Gnttmnn von Syrerbuse und L. Mayer von Pittsburgh, sowie eines protestantischen Geistlichen $. C. Iglehart und des Unitarier Predigers Dr. G. M. Cutter. Außerdem waren circa 25 andere christliche Geistliche anwesend und der Tenipel gefüllt von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und den hervorragendsten Bürgern aller Konfessionen. Ein katholischer Priester hatte auf seinen besonderen Wunsch im Trauerhause eine herrliche Ansprache gehalten. Die Feier war sehr erhebend und zeichnete sich namentlich durch den brüderlichen Geist aus, der von allen ohne Unterschied manifestiert wurde. Herr Dr. Cutter sagte unter anderem in seiner kurzen Ansprache: „Ueber das höchste Wesen hatten wir dieselben Ansichten. Während der Dahingeschiedene zu seiner Gemeinde sprach „Höre Israel, der Ewige unser Gott ist Einer und Du sollst ihn verehren von ganzem Herzen und mit ganzem Sinne" versuchte ich meinem Volke einzuschärfen: Höret O Ihr Christen, der' Ewige unser Gott ist Einer, und Jesus der göttliche Lehrer, der ideale Mann, der Führer der Heiden ist nicht Gott, sondern der Sohn Gottes, und zwar der Sohn Gottes nur in dem geistigen Sinne, in welchem wir alle Kinder des Ewigen sind. Es giebt keinen zweiten oder dritten Platz in der göttlichen Einheit." „Die meisten Lehren von Jesus waren schon von den Propheten Israels verkündet. Die beiden Hauptgebote der Liebe von Gott und der Liebe der Menschen waren in den ältesten Bücher der Juden. Im ersten Jahrhundert hat Rabbi Hillel die goldene Regel verkündet, bevor sie aus dem Berge gepredigt ward. Wenn die Resultate gelehrter Kritik allgemein bekannt geworden sind, wird der Jesus der Geschichte nicht mehr der Christus des theologischen Dogma's sein. Wir werden dann zurückkommen zu den einfachen allgemeinen Grundprinzipien von Liebe, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Tugend. Die ganze Feier machte einen tiefen Eindruck, dem in allen Lokalblättern warmer Ausdruck gegeben wurde. Die „Buffalo Expreß" sagte am folgenden Tage: „Nie ward eine Scene hier gesehen, wie gestern im Tempel „Beth Zion". Versammelt waren, um ihre Achtung dem verstorbenen jüdischen Rabbiner zu beweisen, die hervorragendsten Geistlichen und Laien aller Konfessionen. Mehrere christliche Geistliche sprachen von der jüdischen Kanzel herzliche Worte der Sympathie und der Bewunderung. Es machte den Eindruck, daß wirklich die Zeit allgemeiner Toleranz und Verbrüderung gekommen sei. Besonders angemessen waren die Worte von Dr. Landsberg, der erwähnte, wie