Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 schauung, mit der dasselbe uns erfüllt, gleichsam die Heiden Ufer, zwischen denen der Strom des Lebens ruhig dahinfließt, die beiden Pfeiler, auf denen der Bau aller Wohlfahrt ruht, die heiligen Grenzen des Menschenrechtes, deren Verletzung und Verrückung eine Sünde gegen Gott und ein Frevel an der Menschheit ist. Es ist das nicht genug hoch anzuschlagen, nicht genug scharf zu betonen, daß in der Geschichte der ganzen Völkerwelt Israel zuerst das Beispiel vou einem Kampfe für eine innere Ueberzeugung gegeben hat. Die tausend und abertausend Mutigen- Kriege, in denen zu den verschiedensten Zeiten die Völker ihre Kraft aufrieben und ihren Bestand erschütterten, wurden nur aus Ehrgeiz, aus Ruhmsucht, aus Rachgier und Herrschsucht unternommen, es galt da oft nur die Eroberung von Gebieten, die Erweiterung der heimischen Grenzen. Der Kampf, zu dem die Makkabäer sich erhoben, hatte nichts anderes zum Ziel, als die Aufhebung von Glaubenszwang und Gewissensdruck, wie ihn der Syrerkönig Antiochus Epiphanes in seinem ungemessenen Hochniut und Eigendünkel über Israel verhängt hatte, und die Erniedrigung der Verräter in seiner eigenen Mitte, die mit derselben priesterlichen Hand, mit der sie den Dienst im Heiligtume Gottes verrichteten, die Waffen segneten, welche zur Verfolgung der Glaubenstreuen geführt werden sollten. Ja, Chanukah, das ist die Siegesfeier standhafter Ueberzeugung, das ist das Weihefest des jüdischen Geistes, das ist der Gründungstag der freiheitlichen Entwickelung unserer Lehre. Seitdem die heldenmütige Schaar der Makkabäer _ gesiegt hat, ist zwar gar oft die Bedrängnis und Erniedrigung von außen wiedergekehrt, aber erhalten hat sich Israel seitdem seine innere Freiheit und Hoheit, bewährt hat sich seitdem die Lebenskraft und Entwickelungsfühigkeit unserer Lehre und zu ewiger Macht hat sich emporgerungen der jüdische Geist, um fortzustrahlen wie ein Licht durch die Nacht, wie die Sonne am Tag, und stets hoch und hell wie ein Stern zu prangen an dem Himmel der Geschichte. „Eine Leuchte ist das Gebot, die Lehre ein Licht, und den Weg des Lebens führt uns ihre Weisung zur Tugend." Diese Worte bezeichnen den Geist des Judentums, die Macht seiner Entwickelung und den Segen seiner Lehre, wie sie besonders seit den Tagen der Makkabäer in Israel hervorgetreten sind und sich zu allen Zeiten bewährt haben und bewähren werden. Die Hingebung und Begeisterung, mit der die Makkabäer sich zur Abwehr des ihnen auferlegten Glaubenszwanges erhoben, der Eifer und Heldenmut, mit dem sie für die Erhaltung ihrer väterlichen Lehre kämpften, kämpften, nur um den Namen des einen Gottes frei bekennen und den Herrn der Welt würdig verehren zu dürfen, beweist, daß ihr Glaube ihnen ein teuerer, heiliger Besitz war, um dessen Verteidigung sie selbst ihres Lebens nicht schonten, daß sie für die Hoheit der Gotteslehre Verständnis hatten und von der Wahrheit derselben auf das tiefste überzeugt waren. Denn warum würden sie wohl, da doch jede Absicht auf Erlangung von Macht und Gut ihnen fern lag und alle Rechte und Freiheiten ihnen in Aussicht gestellt waren, so sie nur der alten Lehre untreu würden, für dieselbe das Schwert ergriffen haben, wenn sie nicht wirklich durch sie allein sich erhoben und beseligt, wenn sie nicht ohne sie sich freudlos und verlassen gesehen hätten, wenn ihnen die Lehre der Wahrheit nicht so erhaben über dem trüben, thörichten Heidentuine erschienen wäre, wie erhaben ist das Licht über die Finsternis? Ja, darin liegt der große Vorzug des Judentums vor den anderen alten Lehren, daß an ihm nichts Unvernünftiges und Unverständiges Platz finden kann, daß es den geraden Gang des freien Gedankens