Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1885)
- Date
- 1885-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969726-2969739--1531-2971994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
286 und Philosophie in Rahmen der Religion enthalten, lesen sich in dieser fließenden gereimten Uebersetzung sehr angenehm, weshalb wir dieselben zur Lektüre empfehlen. — „Ueber Glaube und Religion gestützt auf Nathan der Weise von Lessing" ist der Titel eines Vortrages, den Herr Dr. Cf. Mger im Freidenker-Verein zu Karmen gehalten, der in Elberfeld iBaedeker'sche Buch- und Kunsthandlung) erschienen ist. Es sind durchaus nicht neue Gedanken, die in diesem Vortrage zum Ausdrucke kommen und werden in demselben nicht nur Dogmen, die der moralisch gebildeten Vernunft widersprechen, sondern auch die Religion überhaupt bekämpft. Solche Schriften stehen nicht auf der Höhe der Philosophie und der historischen Forschung und geben uns ein Bild davon, welcher Mißbrauch in gewissen Kreisen mit den Schlagwörtern „Freisinn, Freidenker" u. s. w. getrieben wird. — Die Trauerrede, die Herr Rabbiner Dr. w«^***»»* Joseph Perleg in München, an der Bahre des am 21. Siwan 5645 (4. Juni 1885) verewigten Herrn Abraham Merchacher gehalten, ist im Drucke erschienen nebst den Worten des Nachrufes, die der Vorsteher der Kultusgemeinde München seinem Heimgegangenen Kollegen gehalten. Herr Rabbiner Dr. Perles hebt einige biographische Momente des Verstorbenen, der am 19. September 1812 in Baiersdorf geboren war, hervor und schildert ihn als einen Mann, der jene den ganzen Menschen erfüllende und durchleuchtende, innige hingebende Gottesfurcht besaß, jene Art der Gottesfurcht und Religiosität, die sich nicht mit der blos gewohnheitsmäßigen Uebung der religiösen Formen deckt, sondern hinter der religiösen Form den tiefen Gedankeninhalt sucht, aus der religiösen Form die Anregung zu lebensvoller That schöpft. Herr Merzbacher war einer der wenigen Mäcene jüdischer Schriften, auf die der Redner Charisis Worte anwendet „der Wissenschaft Jünger und Kenner, sie hatten an ihm einen Schützer und Gönner". Herr Merzbacher hinterließ eine der bedeutendsten hebräischen Büchersammlungen der Gegenwart. Dieselbe enthält über 160 Handschriften, mehr als 5000 Hebraica und zahlreiche Judaica. — Im Verlage von Jakob B. Brandeis in Prag ist erschienen: Alluph Tephilla vollständiges israelitisches Gebetbuch mit klarer und faßlicher Beleuchtung des Ritus zum Gebrauche bei häuslicher und öffentlicher Gottesverehrung u. s. w. von S. Königsberg, öffentlichem Religionslehrer an Volks- und Mittelschulen. Herausgegeben vonr israelitischen Lehrerverein in Böhmen. Wir haben in dieser Ausgabe des Gebetbuches auch ein correktes schön und gut gedrucktes Lehr- und Lesebuch für die Schulen, das dadurch, daß die Quellen der Gebete und deren Autoren angegeben werden, auch mit großem Nutzen beim Religionsunterrichte verwertet werden kann. Bei dem billigen Preise (1 Mk. 30 Pf.) und der überaus geeigneten Ausstattung und dem schönen Drucke empfiehlt sich dieses Buch ganz besonders zum Gebrauche beim Unterrichte, worauf wir die Herren Lehrer aufmerksam machen möchten. — „Gerechtigkeit, Liebe und Demut" ist der Titel einer in Witte» erschienenen Rede, gehalten beim Abschiede vom alten Gotteshause am 27. Juni 1885 von Ä. Ostwald. (Preis 25 Pf.) Aus dieser inhaltsreichen schönen Predigt, die manchen Stadtprediger mit seinem faden gedanken- und schwunglosen Gerede in Schatten stellt, wollen wir nur einzelne. Sätze hervorheben, die besonders in einer Zeit betont zu werden verdienen, in welcher selbst früher begeistert gewesene Anhänger des Prophetentums, irre gemacht durch das Treiben der falschen Lügenpropheten, ihre Fahnen senken und die Waffen strecken: Israel, der Gotteskämpfer, erträgt keine geistige Versumpfung, nur auf der veredelten Gestaltung des Lebens und Strebens beruht Israels wie