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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-12-01 · Heft 12 (1.12.1885) · p. Seite 279

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 12 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 279 (sequence 15)
Language
German
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279 Geheime Kommerzienrat Simon in Königsberg hatte am 8. Oktober bei dem daselbst auf der Durchreise begriffenen Russischen Minister Herrn v. Gier» in Angelegenheit der aus Preußen ausgewiesenen Russen jüdischen Glaubens Audienz genommen. Der Herr Minister versprach, dm nach ihrer Heimat zurückziehenden Unglücklichen sein besonderes Wohlwollen zu bezeigen. — Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" sprach sich wiederholt gegen den Antisemitismus aus „Gegen die Wohlhabenden zu hetzen, das ist Revolution; körperliche und sprachliche Eigenheiten dem Gespötte preiszugeben ist unedel und borniert." — In Hütten hielt der bekannte Antisemit Herr, Herr vr. Foerster, einen Vortrag über deutsche Kolonien in Paraguay und Herr vr. König sprach über „Kann und wird Deutschland die Judenfrage lösen?" Der Herr Bürgermeister in dieser Stadt, Herr KUrckner, erließ im dortigen Tagblatte eine Warnung, in der auch der Satz enthalten ist „Ich werde nicht dulden, daß auch nur in kleinen Anfängen eine Klasse unserer Mitbürger durch rohes Benehmen anderer Personen gekränkt wird, vielmehr sind die Polizeibeamten angewiesen, Jeden, der sich irgend welche Ausschreitungen erlaubt, welche den öffentlichen Frieden zu stören geeignet sind, zu verhaften." — Die weisen Ratsherrn von Gera, deren Herz für die Thiere wärmer schlägt als anderswo, haben kurzweg den Juden das rituelle Schlachten verboten. In dieser Ochsenliebe steckt viel Judenhaß! — Die „Israelitische Wochenschrift" bringt unter dem Titel „Orthodoxe Pietät" einen scharfen Artikel zur Charakteristik der Orthodoxie in Deutschland, in welchem dargethan wird, daß dieselbe nur leere Aeußerlichkeit, gehaltloses Formelwesen sei, daß bei den Orthodoxen die erziehlichen Vorschriften der Thora zu gedankenlosen nur im Dienste der Zanksucht stehenden Zeremonien herabsinken und daß bei den Hebungen ihrer Hände ihre Herzen leer seien, sie vermeinen mit ihren frommen, heuchlerischen Geberden den lieben Gott abzufinden und streuen den Menschen Sand in die Augen und die Religion ist bei ihnen nur ein Deckmantel ihrer eigennützigen Absichten und Pläne; sie erwürgen Menschen, die nicht in Gemeinschaft mit ihnen die Augen verdrehen wollen, ihre Lippen fließen von Bruderliebe über und ihre Herzen schwellen von Haß und eitler Ueberhebung. Es ist wahrlich nicht zuviel gesagt, wenn inan bedenkt wie die Pseudoorthodoxie, der freilich die genannte Zeitschrift einstmals Hebammendienste geleistet hat, in Deutschland von der Geistesschändung und dem Religionswucher nicht abzustehen aufhört. So bringen jüngst die orthodoxen Blätter die erfreuliche Mitteilung, daß in Amsterdam Herr Louis Prins eine koschere Dampf-Cacaopulver und Chocoladen-Fabrik eröffnet. Bezeichnend für gewisse Zustände ist auch, daß wie aus einem uns mittelst Post zugegangenen Ausschnitte aus dem vielgelesensten Blatte in Frankfurt a. M. zu ersehen ist, daselbst im Annoncenteil eine „Sabbatfrau" gesucht wird. — Aus einer der größten jüdischen Gemeinden in Posen berichtet der „jüdische Cantor", daß ein Religionslehrer angeklagt wurde, weil er sich rasieren ließ und am Freitag Abend das Licht auslöschte. Das Licht des Geistes brennt längst nicht mehr in diesen Kreisen und das Judentum ist dort zum Zerrbilde seiner selbst geworden! — Am 17. September starb, wie uns berichtet wird, in Prohnih Herr vr. Bernhard Porges, ein verdienter Schulmann und tüchtiger Kenner der jüdischen Litteratur und am 19. Herr Rabbiner Äosef Hartmann in Temesvar. — Am 11. Oktober wurde in G. Ienilrau Herr Philipp Gotdreich Edler von Bronnek, Besitzer der Domäne Itndeneh, zu Grabe getragen. An seinem Sarge sprach Herr Rabb. vr. M. H. Friedländer. — Am 1. Oktober wurde in Wien das 25 jährige Amtsjubiläum des dortigen Religionslehrers Herrn Äona» ÄrstineK begangen. — Herrn Obercantor Mandl in Kaja wurden aus Anlaß seines

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