Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Landtag von 1708 hervor. In der uns zur Anzeige vorliegenden äußerst wertvollen und inhaltreichen Schrift wird aus vergilbten Blättern und losen Skizzen ein anschauliches Bild von der uinfassenden Thätigkeit des polnischen Residenten Berend Lehmann entworfen, der am 12. Februar 1696 vom Kurfürsten August dem Starken als Hofjude auf- und angenonimen wurde und seine Stellung und seinen Einfluß dazu venvandte, um für seine Glaubensgenossen thätig zu sein und Fürsten und Näthen mildere Gesinnungen über dieselben beiznbringen. Dabei war er innerhalb des Judentums wohlthätig und ein eifriger Förderer der jüdischen Litteratur. Er ließ hebräische Werke auf seine Kosten drucken und ließ „Gold strömen aus seinem Segeusquell wo es galt die Thora zu ehren." Herr Elias Ullmann, der verdiente Actuar der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M., der zur Specialgeschichte derselben durch Herstellung sorgfältig ausgearbeiteter Stammbäume ihrer angesehensten Familien schätzenswerte Beiträge geliefert, hat auch den Wert vorliegender Arbeit durch Mitteilungen aus dem Archive der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. (S. 37) erhöht und verdienen gelegentlich seine Leistungen hier ganz besonders hervorgehoben zu werden, zumal die Stammbäume zumeist als Manuscript gedruckt sind. Wir erwähnen von den 16 durch Herrn Ullmann angefertigten Stammbäunien, die zumeist Familien beschreiben, aus deren Mitte für die israelitische Gemeinde in Frankfurt viele segensreiche Stiftungen hervorgegangen sind, nur folgende: 1) Löb Amschel Flörsheim, geb. 1655, gest. 18. Juli 1744. 2) Moses Salomon Spanier, gest. 1725, dessen Namen daher rührt, weil dessen Vorfahren von Seiten der Juden nach Madrid gesandt waren, um von dem Kaiser Karl V. den Schutz für die Juden in Deutschland zu erflehen. 3) Moses Mayer Schiff, gest. 7. Oktober 1716. 4) Jsaac Joseph Ullmann, geb. 1750. 5) Salomon Benedict Goldschmidt, geb. 28. Mai 1738. 6) Michael Jsaac Bing, gest. 27. November 1742. 7) Joseph Lazarus Speyer, geb. 8. April 1783. 8) Rüben Gumpertz Elissen, geb. 19. Mai 1784. 9) Jacob Samuel Hayum Stern, geb. 8. März 1780. Aas Jahrhundert nach dem babylonischen Erile mit besonderer Rücksicht aus die religiöse Entwicklung des Judentums von vr. Adolf Rosen zweig, Rabbiner der Kultusgemeinde Teplitz. Berlin. Dümmler. 1885. Es ist eine der dunkelsten Zeitperioden der. jüdischen Geschichte, die der Verfasser durch gründliche Erforschung der Quellen und aufmerksame Betrachtung der Berichte, die wir über dieselbe besitzen, aufzuhellen unternimmt. Eine Reihe wichtiger Fragen, an deren Lösung die tüchtigsten Kräfte sich versucht haben, wird hier von neuem einer kritischen Behandlung unterworfen und mit wachsendem Interesse folgt der Leser den ebenso geistvollen als durch lichtvolle Darstellung belebten Untersuchungen, durch die manche sehr beachtenswerte neue Resultate zu Tage gefördert werden. Im Laufe seiner von reichen Quellennachweisen getragenen Schilderungen des religiösen Lebens der Juden sowohl im Lande des Exils als auch nachher auf dem Boden der wiedererlangten Heimat werden über die Entstehungszeit vieler Psalmen wie auch der Bücher Joel, Hiob, Kohelet, Jona und Rut selbständige Ansichten vorgetragen, welche sich großenteils als sehr wahrscheinlich erweisen. Besonders wird die Thätigkeit Esra's und Nehemia's im Zusammenhänge mit den vorangegangenen Entwicklungen und der ganzen Zeitlage gründlich beleuchtet, wobei auch die damalige Stellung der Priester und