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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-11-01 · Heft 11 (1.11.1885) · p. Seite 260

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (1.11.1885)
Date
1885-11-01
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
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260 Volkstum zu bilden sondern zerstreut unter den Völkern die Lehre Gottes zu verbreiten, von nationalen Fanatikern angegriffen. Möge er nur fortfahren, im prophetischen Geiste von dem Berufe Israels zu predigen! — In einer in der Vorstadt MoldowanKa in Odessa gelegenen Synagoge entstand in der Frauenabteilung am Versöhnungstage Feuerlärm, weil durch die offenen Fenster mit Staub verbundener Rauch eindrang. Es herrschte große Panique. Im Gewirre kam eine Frau ums Leben und viele Frauen wurden verletzt und ihres Schmuckes beraubt. Strolche haben absichtlich vor der Synagoge Staub aufgewirbelt und Stroh angezündet, um bei einer Panique die Bestürzten berauben zu können. — In Pernau wurde am 20. August eine neue Synagoge eingeweiht. — In Mesibns wurde am Vortage des Wochenfestes ein Kind nur dadurch vor dem Schicksale lebendig begraben zu werden verschont, weil zufälliger und glücklicherweise der Rabbiner nicht zu Hause war, als der Diener des Beerdigungsvereins zu ihni kam, um den Totenschein für das verstorbene Kind ausstellen zu lassen. — In JJevcislnro wurde auf Eingabe einer jüdischen Gemeinde, ihr Gotteshaus von Steuer wie alle anderen öffentlichen Bauten zu befreien, nach langem Hin.- und Herdebattieren zu Gunsten der Bittsteller entschieden. Interessant ist eine gegnerische Stimme, die aus diesem Anlasse sich dahin aussprach, daß die jüdischen Gotteshäuser in Rußland eher Kaufhäuser genannt zu werden verdienten, weil die Juden in denselben allerlei Geschäfte besprechen und zum Abschlüsse bringen. Die Juden in Rußland sollten mehr denn je bestrebt sein, dem Gotteshause seinen heiligen Charakter ganz und ungeschmälert zu belassen. Was „Hameliz" und „Hazephira" über Vorgänge in Russischen Synagogen berichten, zeigt, wie viel hier noch zu wünschen übrig bleibt. In einer Synagoge entsteht beim Trauergottesdienste am 9. Ab eine Schlägerei, so daß die Richter eingreifen müssen; in der anderen ergreift ein Vorsteher, Herr Gottesmann, eine Frau bei ihrem Haupthaar, das, o Sünde, unbedeckt war, schlägt sie und führt sie aus den heiligen Räumen, die er durch seinen Fanatismus entheiligt. An einem anderen Orte läßt ein Rabbiner einen um den Vater Trauernden nicht das Kaddischgebet verrichten, nicht weil er wie in Aschaffenburg keine Filzschuhe trägt, sondern weil dessen Heimgegangener Vater den Aufnahmsbrief des Rabbiners nicht mit Unterzeichnete!! — In Kischenew giebt es nicht nur einen Rabbinowitsch, der viel von sich reden machte, sondern dort wurden auch jüngst unter anderen drei jüdische Räuberhauptleute Mose und Ialomo Krsnik und Zacob Lewin gefangen genommen, die durch ihre Raubzüge viele Gegenden unsicher machten. — In Bukarest haben jüdische Arbeiter Meetings veranstaltet, um gegen das Projekt des französiischen Publicisten Arinand Levy, ein jüdisches Konsistorium zu bilden, Stimmung zu machen. — Die jüdischen Einwohner von Zeveny im Dorohoier Distrikt haben gegen die Erpressung von Unterschriften, durch welche Juden selbst bezeugen sollten, daß sie in Rumänien gut behandelt werden, beim Ministerium Protest erhoben. Dieser Schritt verdient Nachahmung, obzwar die Rumänischen Beamten, welche die Unterschriften von Juden unter den fürchterlichsten Drohungen für den von ihnen aufgesetzten Protest erzwingen, durch solche Schriftstücke Rumänien in kein besseres Licht zu bringen vermögen werden. — In Konstantinopel wird der Bau des prächtigen Tempels der italienisch israelitischen Gemeinde, dessen Allsführung der Scheik-ul-Jslam große Hindernisse entgegensetzte, weil in derselben Straße eine Moschee stehe, auf Befehl des Sultans zu Ende geführt. — In Brisbane in Australien wurden am 8. Juli der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. Herr Rabbiner A. $f. Philipps erwähnte in seiner Festrede,

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