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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 237

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
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237 sorgsam darauf achtet, den Juden nie etwas zu Leide zu thun, sondern daran zu denken, daß die heilige Mutter, die vor Euch herzieht, von den Juden herstammt. Ich hoffe, daß mein Nachfolger in meinem Sinne weiter wirken wird." — In dem neuen Russischen Schulgesetz steht der Satz: Stipendien und Unterstützungen aus der Staatskasse werden nur an Christen verabfolgt- — In WilKi wurde ein 6 Monate altes Mädchen aufgefunden, das die Mutter, rechtmäßig verehlicht, ans Not aussetzte und mit einem Zettel versah, aus welchem zu ersehen war, daß das Kind eine Jüdin, Namens Zirle, sei. Da die Juden sich des Kindes nicht annahmen, wurde es nach Kowno gebracht und daselbst getauft. Selbstverständlich blieben alle dann von den Juden angestellten Versuche, das Kind zurückerhalten, erfolglos. — Der weise Rabbi von Kobriu hat Lehrern, welche ihn befragten, wie man russischen streng gehandhabten Verordnungen in Bezug auf Vorlegung von Befähigungszeügnissm begegne, zur Antwort gegeben, sie sollen Früh Morgens Donnerstag aufstehen, die vorgeschriebenen Selichoth für Kinderkrankheiten beten, siebenmal die Psalmen durchsingen, dann drei Thorarollen ausheben und zuerst aus der Sidrah „Pinehas" lesen, dann den Abschnitt über Amalek und die zwei ersten Abschnitte aus der Sidrah „Noach" und den ganzen Tag fasten. Abend sollen sie sich wieder in Andacht zusammenfinden, die Telia Gedola aus dem Schofar ertönen lassen und das Abendgebet mit mächtiger Andacht verrichten, dann könnten sie sicher sein, daß die russischen Verordnungen aufhören würden. Wir sind begierig, wie weit die Russischen Verordnungen durch diese Bet- und Bußübungen abgeändert worden sind. — Fast ans Unglaubliche gränzt, was aus Riga berichtet wird, daß dortige Juden auf das Gerücht hin, es trete ein Jude in einer Kirche zum Christentum über, dahin liefen und unter Lärmen und Toben Steine auf Christen warfen, welche die Kirche umstanden. Die beiden Rädelsführer Mose und Abraham Herschowih wurden verhaftet. Diese thörichten Fanatiker verdienen eine harte Strafe weil unter ihrer verstandlosen That die Gesammtheit leidet. — Am 27. Juli wurde in Bl. Petersburg der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, deren Bau schon am 19. September 1869 bewilligt war. — Die Deputation englischer Israeliten bei Lord Lalisbury, die um seine Intervention bei den Signatarmachten zu Gunsten der verfolgten Juden in Rumänien ansuchten, hat in Rumänien einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, der sich noch lange nicht legen wird. Das rumänische Blatt „Telegraful" schreibt: Der Versuch des Auslandes, zur Lösung der Rumänischen Judenfrage einzuschreiten, wäre das Signal zu einer allgemeinen Metzelei. Demeter Kratiano, Bruder des Ministerpräsidenten, schreibt: Dieser Schritt der Juden ist von geringem Werte und'verdient nicht erwähnt zu werden. Wenn es den Juden Freude bereitet, sich bei Salisbury zu be- * klagen und es diesem Herrn angenehm ist, das Wehklagen der Juden anzuhören, so wünschen wir beiden Teilen eine öftere Widerholung dieses unschuldigen aber auch unnützen Vergnügens. In der That sind heute, wenn überhaupt von Verfolgungen gesprochen werden kann, nicht die Juden, sondern die Runiänen von jüdischen Gutsbesitzern verfolgt. Da die Krankheit, der Judenhaß, in Rumänien nur in den maßgebenden Regierungskreisen nicht aber im Volke herrscht, welchem man sogar eine gewisse Gutmütigkeit nicht absprechen kann, so wird dort nur durch den Druck auswärtiger Mächte manches erzielt werden können und dadurch daß Rumänien vor einer ganzen Welt als ein barbarischer Staat, in dem es kein Recht giebt, gebrandmarkt wird. — Nach einer veröffentlichten Zusammenstellung der Direktion des statistischen Centralbureaus in Rom belief sich nach

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