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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-10-01 · Heft 10 (1.10.1885) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 haben wir nicht gefunden!" Kennst du diese Pfeiler? Macht, Recht, Glauben, Wissenschaft sind ihre Namen. Hatte Israel keine Berechtigung, sich an die Mächtigen der Erde zu wenden! War es nicht selbst allüberall, wo es Obdach, Schutz nnd Rechte gefunden, thätig gewesen die Macht zu stützen, hatte es im Dienste für das Vaterland nicht seine Kraft entfaltet, seine Treue bewiesen, seine Liebe betätigt, hatte es nicht Gut und Blut willig hingegeben für die heilige Sache, und ist feine gewissenhafte, redliche Arbeit nicht mit eingetragen in das Gewinnkonto nationalen Lebens? Aber wann hätte Israel, auf Menschenmacht sich stützend, Hilfe und Rettung gefunden! Der König in Israel, welcher gegen die Brüder eine fremde Macht zu Hilfe rief, veranlaßte, daß die Fremden den Boden des Vaterlandes nicht wieder verließen, daß Israel ein Knecht, der Assyrer, Aegypter und Babylonier zu Herren wurden; der tapfere Makkabäerheld, welcher zum Ueberfluß mit dem ländergierigen Rom ein Schutzbündnis schloß, schuf dadurch den ersten Funken zu jenem verheerenden Brande, der Palästinas Städte, seine Festungen und sein HeiligtM einäschern und das volkreiche, blühende Ländchen entvölkern und verderben sollte. Und als Israel auf seine eigne Macht, auf seine Waffen und Truppen, auf seine Wälle und Vesten bauete — ward ihm da Heilung? als seine Enkel treu im fremden Lande dienten, haben sie da immer Dank und Anerkennung geerntet? konnten die Männer der Wissenschaft, die Staatsbeamten, die Aerzte, Mathematiker, Naturforscher, die Krieger und Minister, welche ihre Kraft erfolgreich in den Dienst der Mächtigen stellten, wirksamen, anhaltenden Schutz, konnten sie Duldung und Schonung ihrem Volke erwirken? haben die Geisteshelden jüdischer Abstammung und Religion, die das noch junge Gebäude unseres staatlichen Lebens mit errichten und ausbauen halfen, die Schmach abwenden und die Macht uns geneigt machen können? Unsere Bitte: „Nehmet den Anstoß fort vom Wege des Volkes!" ist ungehört verhallt, so daß wir gezwungen wurden, an die Worte des Sängers (Ps. 146, 2, 3) zu denken: „Vertrauet nicht auf die Mächtigen, auf den Menschensohn, bei dem keine Hilfe zu finden!" Zu der höchsten Macht müssen wir, nachdem Menschen uns getäuscht, zurückkehren, zu unsrem Gott in unsrer Not. Wir ergriffen den zweiten Pfeiler des. modernen Staatslebens: das göttliche Recht. Ist uns immer geholfen worden^ Wohl müssen wir in dieser Stunde es dankbar anerkennen, daß zu wiederholten Malen die unbestechliche Gerechtigkeit, das unverletzliche Recht für uns und unsere Sache eingetreten sind. Jene unglückseligen Zeiten scheinen, Gott sei Dank, vorüber zu sein, in welcher wir kein Recht, sondern nur Rechte hatten, Schutzbriefe empfingen, die nicht schützten, Privilegien, die uns entehrten, und wir unsere Sache unter Formalitäten und Aussagen beteuern und erhärten mußten, welche vom ärgsten Mißtrauen, von schändender Verachtung eiugegeben waren. Welche Fülle von Gehässigkeit kann sich aber trotzdeni noch in der Gegenwart über uns ungestraft ergießen, welche Maße der Feindseligkeit, der Aufreizung, der Verläumdung darf uns, ungerächt, kränken, ja das Herz fast abstoßen, ehe nach dem Buchstaben des Gesetzes uns Genugthuung wird, ehe ein Beispiel das schändliche Spiel, welches man mit unsrem Namen, unserer Ruhe treibt, nachhaltig beseitigt. So ist's bei uns! Wie haben unsere armen Glaubensbrüder aber erst in jenen Ländern zu dulden, wo sie, unfrei, unter Ausnahmegesetzen stehend, recht- und schutzlos sind, wo sie, dem Wilde gleich, gehetzt und in den Tod getrieben werden. Israel jammert, klagt und fleht: „Nehmet den Anstoß, das Aergernis fort vom Wege meines

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