Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- Colmar 1× ep/1047872
- Emden 1× ep/1044505
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AM warme Worte des Nachrufes. — Am 4. August starb im 70. Lebensjahre Fräulein Johanna Weil, die nahezu 30 Jahre dem isr. Mädchen-Waisenhause in Frankfurt vorgestanden hat. An ihrem Sarge sprachen Herr Rabb. Dr. KrUll und Dir. Dr. Aaerwald. — In Gera hat sich eine jüdische Gemeinde konstituirt, die erste im Fürstentum Neuß, und in München sucht der Vorstand des israelitischen Frommen-Vereins einen streng religiösen Mann zur Abhaltung allsabbatlicher deutscher Vorträge. Der Name des Unterzeichneten Vorstehers prangt auch an einer Margarin-Butter- Fabrik in München, was unserem Correspondenten zu allerlei Vermutungen über Zukunfts-Koscher-Butter des dortigen Frommen-Vereins Veranlassung giebt. — Herr Kommerzienrat p. Mannheimer in Berlin hat aus Veranlassung seines 70. Geburtstages und des fünfzigjährigen Geschäftsjubiläums, das er am 13. Juli begieng, 50,000 Mark für Arme, ohne Unterschied der Konfession, gespendet und beabsichtigt, wie verlautet, noch mehrere jüdische Wohlthätigkeitsinstitute zu bedenken. — Am 22. Juni fand in Berlin die Installierung der ersten deutschen Distrikts- oder Groß-Loge mit eigener Jurisdiktion für Deutschland statt. — Am 28. Mai wurde die neue Synagoge in Leer durch Herrn Landrabbiner Buchhol; aus Emden eingeweiht und in Halle a. H. die dortige erweiterte Synagoge am 25. Juni. — In Kreuhburg O. B. fand am 3. Juni die feierliche Grundsteinlegung zu einer Synagoge statt. Außer dem Rabbiner Herr Dr. Mün;, der die Weihrede hielt, sprach auch der Superintendent Herr Dr. Kühling, aus dessen Munde auch ein hebräischer Satz zu vernehmen war. Am 27. Juni wurde die neugebaute Synagoge in Marktbreit, ein Prachtbau im byzantinschen Stile, feierlich ihrer Bestimmung übergeben — Am 2. Juli wurde der neue israel. Friedhof in Elsen eingeweiht. — In letzter Zeit hört man auch viel von an israelitischen Friedhöfen verübten Rohheiten, so in Creu;nach, Jugenheim, Gberliedrrbach. — In Nummer 12 (1885) der „Preußischen Jahrbücher" findet sich ein Artikel „Judentum und Antisemitismus" von Ehrich Lehnhard, der an Unwissenschaftlichkeit und Unklarheit nicht hinter den gewöhnlichen antisemitischen Pamphleten zurücksteht, umsomehr verdient es hervorgehoben zu werden, daß es in denselben Jahrbüchern im Juli-Hefte heißt: Herr Hofprediger Stöcker darf nicht länger im Amte bleiben, das geistliche Amt duldet einen solchen Makel nicht, auch ein Offizier wird degradiert, wenn er öffentlich eine Ohrfeige bekommen hat, wenn er auch unschuldig dazu gekommen sein mag". Bei Verhandlungen wegen fahrlässigen Meineides haben Vertheidiger in Wiesbaden, Oranienburg und Karlsruhe auf Hofprediger Stöcker hingewiesen. Hoffen wir, daß das Kronprinzliche Wort „Stöcker'sche Verhältnisse können nicht ewig bestehen" sich erfüllen werde. — Das älteste Corps der deutschen Studentenverbindungen „Onoldia" in Erlangen hat den Beschluß gefaßt, in Zukunft Studenten israelitischer Konfession nicht mehr aufzunehmen. Auch die „Münania" -in Mürchurg that solches. Wie zu bedauern ist die Elite der deutschen Jugend, wenn sie von solch krankhaften Anschauungen erfüllt ist! — Als Kuriosum verdient verzeichnet zu werden, daß der Conrektor Hcyfe zu Buc;kowo bei Colmar in einer Petition, aus Lehrerkreisen ans Herrenhaus gerichtet, Judensteuer beantragt. — Ein Begräbniß seltener Art hat am 29. Juni in Zbrany (Szabolczer Komitat) stattgefunden. Die Leichenfeier galt dem dortigen Grundbesitzer Leopold Areuer, welchen die ganze Umgegend als ihren Wohlthäter geliebt und geschätzt hat. Da der Verblichene jüdischer Konfession war, wurde die Trauer-Ceremonie von dem Rabbiner und dem Kantor der jüdischen Gemeinde vollzogen; nachher aber trat der reformirte Seelsorger von Bercr »I, HerrBlasius Gouda, an die Bahre, um dem Verstorbenen einen warmen,