Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1885)
- Date
- 1885-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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189 selten geworden. Dieser Umstand bewog die Orientalisten MUhlau und Kauhsch, eine solche mit der Edition der Genesis (Liber geneseos sine punctis exscriptus, Leipsig, I. O. Barth» 1885, Preis 1 Mk. 80 Pf.) zu beginnen. Ist zwar gerade der Pentateuch sehr oft mit unpunktiertem Texte zum Gebrauche für das Toravorlesen erschienen, so eignet sich doch diese Ausgabe, bei der die neuesten masoretischen Forschungen zu Rate gezogen wurden, in besonderer Weise für exegetische Studien, insofern bei solchen die Beeinflussung durch die hergebrachte Vokalisation vermieden werden soll. — Das mit Geschick und Umsicht redigirte hebräische Jahrbuch „Haassiph" von U. Ioltolow. (1. Jahrg., Marschau, 1885), erfreut sich mit Recht einer großen Beliebtheit, da es außer dem Jahreskalender, historisch-chronologischen Registern, Uebersichten der Zeitereignisse, Nekrologen und anderen Beigaben, auch zahlreiche belletristische, poetische und wissenschaftliche Arbeiten von berufenen Schriftstellern, Slonimski, Zweifel, Reifmann, Antokalski, Oppenheim, Buber u. a. enthält und durch Reichtum und Mannigfaltigkeit des Inhalts wie durch Billigkeit des Preises sich auszeichnet. Hoffentlich wird das Unternehmen auch in dem kommenden Jahre in gleicher Weise fortgesetzt werden. — Von Heliopolis nach Berlin, oder: Die Kerwandtschaft ferner Jahrhunderte. Eine historisch-kritische Parallele von Stadt-Rabbiner Dr. I. L. Ichwabacher. (Der Reinertrag ist zur Gründung eines Baufonds der Talmud-Thora bestimmt), Odessa 1885. Von dem Gedanken ausgehend, daß dieselben geschichtlichen Erscheinungen, wenn auch in verschiedener Gestaltungsform, im Laufe der Zeiten immer wiederkehren, zeigt der Verfasser zunächst in einer geistvollen, von tiefem psychologischem Blicke getragenen Betrachtung, von welchen Motiven und Zielen der Judenhaß in dem alten Aegypten, der klassischen Heimstätte des Antisemitismus, geleitet war, um dann, nachdem auch die zur Zeit der Ptolemaeer aus den alexandrinischen Gelehrtenschulen hervorgegangenen judenfeindlichen Schriften der Manetho und Apion, die längst dem verdienten Fluche der Lächerlichkeit anheimgefallen sind, in die rechte Beleuchtung gebracht wurden, die historische Parallele zu ziehen zu der der Antisemitismus unserer Tage so reichen Stoff darbietet. „Diese, sagt der Verfasser, beginnt mit dem Mittelalter und führt uns bis in unsere schöne Helle Gegenwart, die so lichtvoll, daß uns vor lauter Licht zuweilen die Augen übergehen". „Im Mittelalter genossen die Juden nur ein Recht — das Ausnahmsrecht, eine Freiheit — die Vogelfreiheit, ein Glück — daß man zuweilen an sie vergaß." Indes wurden dieselben Juden, die so oft vertrieben, beraubt und hingemordet wurden, wiederum andererseits so begehrt, daß das Recht „Juden zu halten," als eine besondere Begünstigung erbeten wurde. „So hatten die deutschen Kurfürsten das Recht, sich Juden einzusetzen, wie man etwa Bienen einsetzt, ihre Ghettos waren die Körbe, hierher trugen sie ihren Honig zusammen und von .hier wurden sie dann, wenn Honig genug angesammelt war, wie die Bienen ausgeräuchert". Die ratio ultima war, sobald sie irgendwo unbequem wurden, wie in dem alten Aegypten, die Brutalität. Mit den zerbrochenen Waffen des Mittelalters kann nun heutzutage der Kampf gegen das Judentum nicht geführt werden, dafür hat aber der neuägyptische Judenhaß, der in lügenhaften Schmähschriften sich entlud, in unserer Zeit wieder seine Auferstehung gefeiert. „Das Alexandrien der Neuzeit heißt — Berlin". Auch in der allerneuesten Gegenwart muß der alte Sündenbock der Jahrhunderte wieder herhalten, um mit aller Schuld für die mannichfachen Schäden, die in der heutigen Gesellschaft herrschen, beladen zu werden. Man nimmt, da man mit der Wahrheit nach Belieben umspringen kann, zu Lüge