Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-07-01 · Heft 7 (1.7.1885) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (1.7.1885)
Date
1885-07-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969726-2969734--1407-2971865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 zugstag der Israeliten aus Egypten auf den 27. März des Jahres 1335. — Aus der Allgemeinen Fleischer-Zeitung ist uns ein größerer Ausschnitt zugegangen, enthaltend einen Aufsatz des Herrn Redakteurs M. Misch, „Müßiggang ist aller Laster Anfang." Diese alte Volkswahrheit, sagt der Vers., gilt vielfach von der Thätigkeit der Tierschutzvereine. Was ist eigentlich der Zweck der Tierschutzvereine? Obgleich der Schreiber dieser Zeilen seit vielen Jahren Mitglied eines solchen Vereins ist, so weiß er auf die Frage keine genaue Antwort. Ja, vor Jahrzehnten, wo der Tierschutz noch sehr im Argen lag, hatten diese Vereine ihren Nutzen, jetzt aber nehmen sich die Gesetze, nimmt sich die Polizei der Tiere genügend an; trotzdem existirt in jeder größeren Stadt ein Tierschutzverein. Diese Vereine schließen sich dann wieder zum provinziellen und zu einem allgeniein deutschen Verbände zusammen, es werden Sitzungen und Verbandstage abgehalten, und dabei manches Glas auf das Wohl der Menschen und Tiere getrunken; aber in der Hauptsache gilt von den Verhandlungen dieser Vereine und Verbände das Dichterwort: „ich höre das Klappern einer Mühle und sehe nie Mehl". Und weil, die Tierschutzvereine so wenig zu thun haben, kommen sie wie alle Müßiggänger auf schlechte Gedanken. Das „jüdische Schächten" hat es den Tierschutzvereinen angethan und vielleicht seit zwanzig Jahren sind alle Tierschutzzeitschriften und alle Berichte iiber die Verhandlungen der Verbände voll von diesem Thema. Weit das Muster der werten Gegenstände ihrer Fürsorge übertreffend, kauen die Tierschutzvereinler dieselbe Sache tausend Mal wieder und möchten es gern durchsetzen, daß das Schächten der Juden verboten werde.. Herr vr Ehrmann, ein sehr frommer Rabbi, hat sich nun die Mühe genommen, bei fast allen europäischen Kapazitäten der Tierarzneikunde Anfrage zu halten, ob das „Schächten" eine Tierquälerei sei. (Trifft nicht zu. da wir in dem Buche nur die von Dr. Kayserling und von Dr. Engelbert herausgegebenen Gutachten fanden bis auf 5, die neu hinzugekommen sind. Red.) Alle haben niit nein geantwortet, Viele haben hinzngefügt, daß auch christliche Fleischer das Schächten, das Oeffnen der Halsadern, als ein sehr geeignetes Verfahren zur raschen Tötung und zum raschen Abfließen des Blutes öfters anwenden. Es ist viel Heuchelei und viel Phrasengeklingel bei dieser ganzen Agitation. Herr Dr. Ehrmann verdirbt ein wenig die gute Sache, die er verteidigt, indem er höchst überflüssigerweise hinzufügt, daß er an dem Schächten auch festhalten würde, wenn es eine Tierquälerei wäre und zwar warum? weil Gott es geboten hat. Sonderbare Idee! Ein frommer Jude müßte seiner Ansicht nach kalkuliren: weil Gott das Schächten geboten hat, ist es keine Tierquälerei, und weil es keine Tierquälerei ist, hat Gott es geboten. — Von der höheren Handels-Fach-Schule zu Erfurt unter Leitung Dr. M. (ff. Mahl s ist der Jahresbericht für das siebzehnte Schuljahr 1884/85 erschienen. Borangeht eine Arbeit des Directors über das parömiologische Sprachgut bei Shakespeare. — In der Kunstausstellung in Nom erregt eine Marmorbüste, „Äudith" darstellend, großes Aufsehen. Dieselbe ist von dem jüdischen Bildhauer Ezelriel aus Amerika angefertigt. In der Ausstellung des Kalselrr Kunstvereins hat ein junger Künstler Liebrrg, ein Schiller Gebhardt's in Düsseldorf, ein Bild „Jeremias predigt gegen die Hohenpriester" ausgestellt, das viel von sich reden macht. — Die seit dem 10. Mai d. I. in Mieu erscheinende Allgemeine Oesterreichische Litteraturzeitung, herausgegeben von Ä. Singer, bietet Gediegenes und zählt hervorragende Fachgelehrte zu ihren Mitarbeitern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.