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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 115

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 115 (sequence 19)
Language
German
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115 wurde. Es sprachen ferner die Herrn vr. A. Kassel, vr. phil. Stein, stud. phil. Steinschneider und andere Studenten der Philosophie und Medicin. Jura Studierende vermissen wir auch unter den Mitgliedern und doch sind sie zumeist gerade diejenigen, die in ihrem spätern beruflichen Leben ein großes Kontingent zu Gemeindeverwaltungen liefern — Bei Alfred Holder in Wien ist erschienen: „Vom Cheder zu Werkstätte". Eine Erzählung aus dem Leben der Juden in Galizien von F. v. St. G. (60 Pf.). Diese Schrift sollte besonders viel in Galizien verbreitet werden und verdient zu diesem Zwecke ins Hebräische und in die jüdisch-deutsche Jargon-Mundart übertragen zu werden, da in ihr die Liebe zum Handwerk geweckt und von Thätigkeiten abgelenkt wird, die Armut und Elend in ihrem Gefolge haben. Wer diese Schrift schon in deutscher Sprache lesen kann, für den bietet sie wohl ein interessantes Kulturbild, aktuell kann sie nur dann werden, wenn die, welche den alten Schlendrian gehen, dadurch zum Besseren geführt werden. Wie notwendig in Galizien eine Reform auf diesem Gebiete ist zeigt genugsam die Ankämpfung gegen die wohlthätigen Bestrebungen der Wiener Allianz. So äußerte jüngst ein orthodoxer Fanatiker in einer öffentlicher Versammlung in Lemberg: „Was gilt uns Kultur? Religion und Kultur sind wie Feuer und Wasser. Wir können und wollen uns mit keiner wie immer gearteten Reform einverstanden erklären.,, „Wir können nicht lesen und schreiben ruft," Herr Aron Uipes,,, und sind in allen Fächern gebildete Leute." — Der akademische Verein Kadimah in Wien hat nahezu 1000 fl. im verflossenen Jahre eingenommen und verausgabt. Im Lesezimmer liegen 32 Zeitungen auf. — In Wien ist man damit beschäftigt, eine Volksausgabe des jüdisch-hellenistischen Literatur, welche mit dem Abschlüsse der Septuaginta beginnt und etwa mit Philo und Josephus schließt, zu veranstalten. — Unter dem Titel „Gedanken einer Jüdin über das Judentum in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" ist der im Jahre 1883 bei Levy & Müller in Stuttgart erschienene „Briefwechsel einer englischen Dame über Judentum und Semitismus" von derselben Verlagsbuchhandlung von Neuem ausgegeben worden. (Vgl. hierüber unsere Monatsblätter Jahrg. III, S. 244— 257.) — Es wurden in jüngster Zeit neue jüdisch-wissenschaftliche Vereine gegründet, so in Pottuschan in Rumänien „Ariel". In demselben hielt der Schriftsteller Brodes einen Vortrag über das Verhältnis der hebräischen Sprache zum Judentume in unserer Zeit. Der in Graz neu ins Leben gerufene Verein „Humanitas" wurde am 2. März in feierlicher Weise eröffnet. Viele Verdienste um dessen Zustandekommen erwarb sich Herr Rabb. Dr. Mühsam daselbst. — In Magdeburg wurde eine Loge des B'nai-B'rith-Ordens gegründet, die den Namen „Mendelssohn" trägt. — Die Vorträge in den größeren Gemeinden Deutschlands, die in erfreulicher Weise zugenommen haben und eine dauernde Institution zu werden versprechen, wurden vor dem Pesachfeste geschlossen. — In Berlin sprach Herr Rabbiner Dr. Krankl über die Erbauungs- und Unterhaltungs-Litteratur unserer Vorfahren und Herr Prof. Lazarus über „Dankbarkeit. Redner betonte, daß das alte Judentum einem edlen Kerne glich, der verborgen war in einer harten Schale. Das Judentum, meint er mit Recht, gehe zu Grunde, wenn es nicht lernt in einer neuen Form den alten Kern festzuhalten. Bickens hat den Juden den Preis der Dankbarkeit zuerkannt, doch Lazarus will das nur gelten lassen, soweit es sich um Beziehungen von Juden zu Nichtjuden handelt. Am allerwenigsten hält er dieses Urteil zutreffend, wenn man das Verhalten gegen ihre verdienten Männer im Auge habe. Hier sind es alte 11*

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