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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-05-01 · Heft 5 (1.5.1885) · p. Seite 98

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 5 (1.5.1885)
Date
1885-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Zerklüftung des sozialen und politischen Lebens, gegen uns angefacht, hat auch das Gewissen vieler edler nicht-jüdischer Männer aufgerüttelt und uns warme Freunde im jenseitigen Lager erweckt, die unseren Streit wacker führen, die Ehre unserer Religion siegreich vertheidigen, und uns für alle Verunglimpfung voll entschädigen durch die rückhaltlose Anerkennung, die sie den Leistungen des Judentums zollen. Gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Sätze aus einer Rede mitteile, die der berühmte Orientalist und Geschichtsschreiber Ernest Renan am 26. Mai vorigen Jahres in der societö des dtudes juives zu Paris gehalten hat: „Der Ruhm des Christentums ist der Ruhm des Judentums. Ja, die Welt ist jüdisch geworden, indem sie sich zu den Gesetzen der Milde und Menschlichkeit bekehrt hat. Und nun, da diese großen Dinge vollbracht sind, sagen wir es nur mit Zuversicht: Das Judentum, das in der Vergangenheit so gut gedient, wird auch der Zukunft dienen; es wird der wahrhaften Sache, der Sache des Freisinns, des modernen Geistes dienen. Jeder Jude ist ein Liberaler. Er ist es seinem innern Wesen nach. Die Feinde des Judentums hingegen — betrachten Sie sie genauer, und Sie werden sehen, daß es im Allgemeinen Feinde des modernen Geistes sind. Die Begründer des freisinnigen Dogmas in der Religion sind — ich wiederhole es — Ihre alten Propheten, Jesaia, die Verfasser der sibyllinischen Bücher, die jüdische Schule von Alexandrien, die ersten Christen. Fortsetzer der Propheten. Das sind die wirklichen Begründer des Geistes der Gerechtigkeit in der Welt. Der Jude, der dem modernen Geiste dient, thut in Wirklichkeit nichts Anderes als dem Werke dienen, zu dem er mehr als sonst jemand in der Vergangenheit beigetragen, und — fügen wir hinzu — für welches er so viel gelitten. Die reine Religion mit einem Wort, die wir als das einstige, die gesammte Menschheit zusammenhaltende Band ahnen, wird die Verwirklichung der Religion des Jesaia sein, jene ideale jüdische, von allen beigemischten Schlacken befreite Religion." — Nach diesen Worten eines nichtjüdischen Gelehrten, der das Judentum als den Anfang und das Endziel aller wahrhaft religiösen Entwickelung preist, werden Sie mir wol weniger Mißtrauen entgegenbringen, wenn ich der Hoffnung Ausdruck gebe, Ihnen durch die Schilderung des Weibes im biblischen Altertum den Nachweis zu führen, daß wir, wie in der Religion überhaupt, so auch in der richtigen Schätzung und Würdigung des Menschen niemals über die Bibel hinauskommen werden, und daß es darum unsere Aufgabe bleibt, die Ziele derselben anzustreben. Allerdings haben wir hierbei mehr das Ideal im Auge, welches die Bibel von der Bestimmung und Aufgabe des Weibes aufgestellt hat, als me mehr oder weniger vollkommenen Ausgestaltungen derselben im geschichtlichen Leben des Volkes. Die mosaische Religion hatte ja wie jede neue Lehre mit den gegebenen Verhältnissen zu rechnen, sie konnte die heidnischen Anschauungen und die überlieferten Stammessitten nur allmählig überwinden, und sie mußte darum Manches, was ihren Grundlehren zuwider war, dessen völlige Beseitigung aber vorerst als unmöglich erschien, geduldig aufnehmen, um es wenigstens in ihrem Geiste umzugestalten, und so das Volk zu einer immer größeren Uebereinstimmung seines Lebens mit der neuen Lehre zu erziehen. Gleichwol wird auch die geschichtliche Erscheinung des israelitischen Weibes, wie sie uns unter dem versittlichenden Einfluß der mosaischen Religion in der Blütezeit des israelitischen

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