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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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81 „Börneplatz" treten — In Wormditt wurde der Kultusbeamte Herr Gruschka angewiesen, das Preußische Landesgebiet zu verlassen. — In Briefen glaubte ein christlicher Knabe, man wolle ihn schlachten, als er nach einer „polnischen" Synagoge daselbst gerufen wurde, um ein in Folge einer Schlägerei entstandenes Kleinfeuer zu löschen. — In Trcmesten brannte die Synagoge am 15. Februar bis auf deu Grund nieder. Ein höchst wertvolles, sehr altes Manuskript auf Pergament soll auch ein Opfer der Flammen geworden sein. — In Deutz hat die Liedertafel den Ausschluß der Juden von derselben statutenmäßig beschlossen, und in Berlin wurde ein antisemitischer Schriftsteller unter dem Rufe „Juden raus" wegen seines schwarzen Haares aus einem Lokale an die Luft gesetzt. Möge er sich auch vor Deutz in Acht nehmen! Biedermann v. Sonnenberg will Thüringen bereisen, um für den Antisemitismus zu wirken. — Herr Hofprediger Stöcker sprach in der Tivolibrauerei den Satz aus „unser Kampf gilt nicht dem Judentume als religiöser Macht, nicht dem einzelnen bescheidenen ehrlichen Juden, sondern dem ausbeuterischen unbescheidenen Judentume" und Herr Wagner äußerte sich in ähnlicher Weise im Parlamente. Wenn doch diese Herren nur einmal aufhören würden, die Sprache des Antisemitismus zu führen und immer wieder und wieder nur Juden und Judentum zu bekämpfen, dann würden sie Bundesgenossen genug finden. In der Bekämpfung allgemeiner Schäden werden ehrliche Christen und Juden gerne Zusammengehen. Uns will es jedoch dünken, als seien die antisemitischen Führer noch nicht so weit in ihrem Wollen geklärt. Man erwäge nur, daß eben eine antisemitisch-deutsch-freisinnige politische Partei in Bildung begriffen ist, was eben einen solch' guten Sinn giebt, wie wenn man von einer schwarzen, wässerigen Sonne sprechen würde. Wer wohl zu diesem „Fortschrittstanze pfeifen" mag? — Herr Oberrabbiner Dr. Alexander Kohut in Grostivardein erhielt einen Ruf nach Uew-Dork als Rabbiner an Stelle des verstorbenen Dr. Hübsch. Kohut gehört zu den hervorragendsten jungen Theologen der Gegenwart und wird sich ihm gewis in Amerika ein weites Feld der Thätigkeit eröffnen. Wir können die Gemeinde zu dieser Wahl nur beglückwünschen. — Herr Israel Singer, der verdiente Religionslehrer in S. A. Ujhely, feierte am 8. März sein 25 jähriges Jubiläum. — Herr Dr. Josef Lchey Freiherr von Coromta wurde zum ordentlichen Professor des römischen Rechtes an der Universität zu Graz ernannt. — Am 28. Januar begieng Herr Oberrabbiner Bidon in Tirnau seinen 70. Geburtstag und zugleich das vierzigjährige Jubiläum seiner geistlichen Wirksamkeit. Am 6. Februar wurde der 70. Geburtstag des Herrn Seminarprofessors Rabbiner M. Mach in Budapest im Kreise seiner Familie und Freunde gefeiert. Herr Lektor Ä. H. Weist in Wien war anläßlich seines Geburtstages Gegenstand zahlreicher Ovationen. Herr Rabbiner Dr. Güdemann machte die Bedeutung des Jubilars zuin Thema seines gottesdienstlichen Sabbathvortrages. Auch in Praickfurt a. M. wies Herr Rabbiner Dr. jjj. Prüll im Mendelssohn-Vereine in seinem am 12. Februar daselbst gehaltenen Bortrag über „Spruchweisheit in den jüdisch-arabischen Schulen" auf I. H. Weiß und seine bedeutenden Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft hin und schloß mit den Worten „Wer die Früchte genießen will, muß auch die Wurzeln pflegen." — Dem Kaiserlichen Rat Herrn Direktor Joel Deutsch in Wien wurde das Bürgerrecht der Stadt verliehen. Nach dem 31. Jahresberichte des unter seiner Leitung stehenden israelitischen Taub-Stummen-Jnstitutes betrugen die Einnahmen im verflossenen Jahre 33,335 fl., wovon 32,500 verausgabt wurden. 91 Zöglinge besuchen gegenwärtig diese Anstalt. — In Wien starb eine der bekanntesten Figuren der

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