Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1885)
- Date
- 1885-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969726-2969731--1324-2971779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 dem Gebiete der jüdischen Litteratur besaß er bedeutende Kenntnisse. Am 15. Februar starb Herr Dr. Julius Gebhardt, Rabbiner in Dromberg. Er wurde am 8. Februar 1810 zu Tirschtiegel, einem Städtchen im Posen'schen, geboren. Als Dissertation verfaßte er eine Abhandlung über den Propheten Hosea. 1842 wurde er als Rabbiner nach Wresche» berufen. Er verkündete, einer der ersten Rabbinen in der Provinz Posen, das Gotteswort in deutscher Sprache. 1847 folgte er einem Rufe nach Gnesen. Am 15. Juli 1852 trat er sein Amt als Rabbiner in der Gemeinde Bromberg an, woselbst er sich großer Beliebtheit erfreute. Am 18. Februar fand in der Synagoge die Leichenfeier statt. Herr Dr. Klemprrer, sein Nachfolger, hob in seinem Nachrufe die große Begabung des Verstorbenen als Kanzelredner, Talmudist und Gelehrter hervor und nannte ihn einen „Quellmenschen", dessen Born nie ausgeschöpft worden sei. Herr Dr. Kippner aus Glogau hob in seiner Rede hervor, wie des Verewigten Streben dahin gieng, das alte mit dem neuen Judentume fest zu verbinden. Auf dem Friedhofe sprachen noch Herr Dr. Oppenheim, Rabbiner aus Thorn und Herr Bankier Louis Aronsohn, der erste Gemeinde-Vorsteher von Bromberg. — Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Kloth in Wiesbaden hat der Stadt 1U Million Mk. testamentarisch überwiesen, mit der Bestimmung, von den Zinsen Freibäder für Kranke jeder Konfession zu errichten. Am 1. Februar als am 50. Jahrestage des durch Abraham Geiger ins Leben gerufenen israelitischen Männerkranken-Vereins zu Wiesbaden fand in der Synagoge daselbst eine Gedenkfeier statt. Herr Rabbiner Dr. Silberstein regte in seiner aus diesem Anlasse gehaltenen Predigt die Gründung eines israelitischen Waisenhauses an, wozu noch am selben Tage 5000 Mark von Mitgliedern der Gemeinde gezeichnet wurden — In Augsburg wurde ein Jugendgottesdienst eingeführt und in Aattowih soll demnächst wieder eine Versammlung der Zionsfreunde stattfinden. — Am 7. Februar waren es 50 Jahre, seitdem der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin eine Mädchenschule ins Leben rief, die jetzt unter Leitung des durch seine Gelehrsamkeit hervorragenden Dr. Moritz Steinschneider steht. Der Synagogen-Verein Bne-B'rith in Berlin, gegründet im Jahre 1880, hat Herrn Dr. Wolfs zum Prediger erwählt. — Die Gabnel-Kieher'sche Stiftung in Iürth vereinnahmte 1883/84 6920 Mk., wovon 6892 Mk. verausgabt wurden. — In der Nacht vom 28. Februar wurden auf dem israelitischen Friedhofe zu Worms Gräber geschändet und Grabsteine verwüstet. — Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Königstein erhielt von der Regierung die Erlaubnis, eine Kollekte zu veranstalten, zum Zwecke des Neubaues einer Synagoge daselbst. — Eine freie Kommission mit Herrn Prof. Lazarus an der Spitze reichte bei dem Repräsentantenkollegium der Berliner Synagogengemeinde einen Antrag, betreffend die Regelung der geltenden Sittengesetze des Judentums, ein, über den am 22. Februar verhandelt wurde. Die Lehre des Judentums, was ihre ethische Seite anlangt, ist nie ernstlich Gegenstand des Angriffes geworden und kann es auch nie werden. Das Judentum muß Stellung zum Gesetze nehmen und seinen prophetisch-reformistischen weltverbrüdernden Grundgedanken immer mehr hervorkehren. Hier ist das Arbeitsfeld der Gegenwart, soll für die Zukunft Heil ersprießen. Auch sind nach nuferer Ansicht jüdische Gemeindevorstände am wenigsten geeignet, das Forum für wichtige Fragen zu bilden, zu deren Beurteilung eine umfassende Kenntnis des Judentums und seiner Geschichte und ein tiefes Verständnis der Bewegungen der Gegenwart gehören. — Die frühere Judengasse von Frankfurt a. |H. wird mit Einschluß der Bornheimerstraße in Zukunft den Namen „Börnestraße" führen und für den „Judenmarkt" wird die Bezeichnung