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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-04-01 · Heft 4 (1.4.1885) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (1.4.1885)
Date
1885-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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u zugestandenen Rechte zu gebrauchen, zu genießen und auszuüben, und die Machthaber Aegyptens sahen, daß Duldung und Freiheit von Israel nicht etwa nur als inhaltsleere Redensarten hingenommen, sondern von ihm sofort iu's Leben eingeführt, ungesäumt und in vollem Umfange zur That gemacht wurden, da „kehrte sich ihnen das Herz uni"; vergessen waren alle die wolwollenden Gesinnungen, die man einst diesem unglücklichen Volke entgegengebracht, und allgemein hieß es: Was haben wir da gethan? wir haben die Juden freigelassen, die jetzt unsere Herren, nicht unsere Knechte sein werden! Unerwartet war diese Wendung der Dinge gekommen, dieser Umschwung der Gesinnungen eingetreten. Man hätte eher glauben dürfen, daß ein Strom zu seiner Quelle zurückfließen, als daß der Fortschritt auf der Bahn freiheitlicher Entwicklung noch irgendwie aufgehalten oder gar von dem Rückschritte überflügelt werden könnte — allein die Geschichte geht oft ihre eigenen Wege und wer ihren Gang nie beobachtet, in ihrem Getriebe nie die leitende Hand der Vorsehung erkannt hat, sie als ein tolles Spiel des Zufalls und der menschlichen Willkür anzusehen gewohnt ist, der wird da durch manche Erscheinung überrascht und verblüfft werden, die, von dem rechten Gesichtspunkt aus betrachtet, durchaus nichts Rätselhaftes und Unerklärliches an sich hat. Wer damals in Israel der Meinung sich hingab, es sei mit der Abweisung des ägyptischen Knechtesjoches, mit dem Aufhören der drückenden Erniedrigung, schon alles erreicht und-es sei die Freiheit, die Unabhängigkeit von den anderen Menschen gewährt, als das höchste Ziel aller edleren Bestrebungen anzusehen, der sollte zu der Einsicht geführt werden, daß solche Freiheit eigentlich nichts mehr als gemeine Selbstherrlichkeit ist, eine Macht an irdischem Gute, die von einer anderen stärkeren überboten und überwältigt werden kann, ja geradezu die gefährliche Macht der Bosheit und Eifersucht, des Hasses und Neides gegen sich erregt und wachruft. Sollen diese besiegt und Gitter der wahren Freiheit errungen werden, dann muß Israel doch noch mit anderen Waffen ausgerüstet sein als mit denen der irdischen Gewalt und in seinem Glauben, Hoffen und Streben doch mehr der höheren Ziele sich bewußt bleiben, die durch seinen Beruf inmitten der Menschheit ihm vorgezeichnet sind. Man meine nicht, ruft das Pesachfest mit den großen Erinnerungen, auf welche es hinweist, uns zu, daß alle die Fortschritte, deren wir uns erfreuen, für die Dauer gesichert seien, daß die günstige Strömung, in deren Fahrwasser wir vor allen widrigen Stürmen geschützt zu sein glauben, uns immer so tragen und weiter führen müsse, nie wieder durch eine rückläufige Bewegung gehemmt oder verdrängt werden könne. Gerade gegen das freie Israel schmiedet die Arglist ihre Pläne, wetzt die Heimtücke ihre Waffen und unversehens bricht der Sturm hervor, der Verderben in seinem Schoße trägt. Erlöst war Israel von der Knechtschaft Aegyptens, geschwunden waren die Schatten der Finsternis, die den Himmel seines Daseins verdüsterten, seine schönsten Hoffnungen hatten sich verwirklicht und ungehindert konnte es auf den Bahnen der Freiheit dahinschreiten, allein gerade als es in dem ungeschmälerten wolgesicherten Besitze seines Rechtes und seiner Freiheit sich zu befinden glaubte, hatte wiederum der finstere Geist des Hasses und der Bosheit sein Haupt erhoben und als grimmige Verfolger zogen wiederum die Bewohner Mizraims gegen Israel aus, um es von seiner Höhe zu stürzen und alle die Errungenschaften, durch die es groß geworden, zu vereiteln und zu Nichte zu machen. Und dieser Kampf, der gegen Israel geführt ward, als es zu Macht und Ansehen sich erhoben hatte, er hat lange noch nicht aufgehört; die Angriffe auf

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