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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-12-01 · Heft 12 (1.12.1884) · p. Seite 289

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 12 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
Seite 289 (sequence 23)
Language
German
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289 auf den Sabbat verlegen will. Der Priester der Gemeinde Mr. W. W. Robertson predigt von der Zukunft Israels, das berufen sei, die Welt zu erlösen. Und darum sollte man dieses Volk mit Liebe behandeln und nicht verfolgen. — William K. Harprr, Prof, der orientalischen Sprachen in Chicago All. giebt eine Zeitschrift unter dem Titel „Hebraioa A monthly Yournal in the Interest» of Hebrew Study“ heraus, welche jährlich in 10 Heften erscheint. Von Deutschland ist Prof. H L. Strack in Berlin an dem Unternehmen mitthätig und kann man auch bei Th. Stauffer in Leipzig auf diese Zeitschrift abonnieren. — Türkische Blätter berichten, daß Marschall Mahmud Pascha, der im Jahre 1876 seines Ranges verlustig und auf die Insel Rhodus verbannt worden ist, vom Sultan begnadigt und nach Konstantinopel berufen wurde, wo er seinen früheren Marschalls- Rang und sämmtliche Aemter und Würden, die er bekleidete, wieder erhielt. Dieser - Mahmud Pascha, der einer der ausgezeichnetsten türkischen Heerführer ist, und der auch im Jahre 1876 für Andere leiden mußte, ist vom Hause aus nicht mehr und nicht weniger, als — polnischer Jude Namens Äalrob Freund. Im Jahre 1848 kam er mit einer Truppe polnischer Flüchtlinge nach Ungarn und kämpfte hier den Freiheitskamps durch, gegen dessen Ende er zum Honved- Hauptmann avancirte. Nach der Waffen-Streckung bei Willagosch, flüchtete er, wie so viele andere nach der Türkei. Jakob Freund trat hier zur mohamedanischen Religion über und erhielt den Namen Mahmud Hamud und den Titel eines Bey. — In dem Feldzuge des Jahres 1853 kämpfte er unter dem berühmten Feldherrn Omar Pascha gegen die Montenegriner mit einem solchen Heldenmut, daß er zum Oberst ernanitt wurde. Im Jahre 1862 finden wir ihn wieder im Kampfe gegen die Montenegriner, jedoch schon als General. Der glänzende Sieg, den er danials über Montenegro erfochten hat, brachte ihm bald darauf den Rang eines „Muschir" (Marschall), welchen er, wie Eingangs erwähnt, im Jahre 1876 verloren und jetzt wieder zurückgewonnen hat. — Der Sultan läßt sich in Konstantinopel in seinem Palaste altjüdische Melodien vortragen. Die Sänger, welche lange bei ihm weilen, wurden beschenkt und zu weiteren Besuchen geladen. — In Aleppo befindet sich eine alte Synagoge, die 2000 Personen faßt. Nach lokalen Ueberlieferungen soll sie zur selben Zeit erbaut worden sein wie der zweite Tempel zu Jerusalem. Eine in Marmor gehauene hebräische Inschrift trägt das Datum 481 der Selucidischen Aera, welche ein sicheres Zeugnis dafür ist, daß die Synagoge im Jahre 170 n. Ehr. schon erbaut war. — Der Sultan von Marokko hat bei Todesstrafe den Juden seines Reiches verboten, sich mit Schuhen an den Füßen auf den Straßen zu zeigen. — Dagegen wird aus Tanger berichtet, daß daselbst auf Veranlassung des italienischen Konsuls der Pascha, welcher Juden einsperren und martern ließ, hiefür hart bestraft wurde und daß nach eitlem Spezialedikt des Sultans an den Gouverneur von Aemnat» datiert vom 25. Karda 1303, die Ungerechtigkeiten aufhören sollen, denen die Juden ausgesetzt sind. — In Durban (Südafrika) haben die daselbst wohnenden Jsraliten am 10. August eine jüdische Gemeinde gegründet und in Calcutta wurde am 11. September unter großer Beteiligung eine Synagoge eingeweiht, die Mas Ezra zum Andenken an seinen Vater auf eigene Kosten erbauen ließ. — In Ketimo (Candia) wurden Grabsteine auf dem jüdischen Friedhofe zerstört. Derselbe wurde in Folge dessen militärisch bewacht.

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