Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1884)
- Date
- 1884-11-01
- Page
- Seite 264 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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264 sich versöhnen, der Schuldige so einhergeht, um damit anzndeuten, däß seine Vergehungen so schwer seien, daß er verdient hätte, gesteinigt zu werden. Dabei rufen sie: O Gott erbarme dich über uns! Elohe, Elohe, gnädiger Gott vergieb uns! Auf Veranlassung der Priester las Gebra Heiwot etliche Kapitel aus dem äthiopischen Pentateuche vor. Das Gelesene wurde Satz für Satz von einem Priester in die dem Volke verständliche amharische Sprache übersetzt. Als aber der Missionär Christentum predigte, wurden die Priester seine Gegner, nötigten ihn den Platz zu verlassen und beschworen ihn, nie wieder zu kommen. In Asimira wollte ein Falascha, dem man ein A. B. C. Buch reichte, eine Arznei, ein Amulett zum Umhängen, damit er schnell lesen lernen könne. Bei einer Falaschahochzeit in Leg waren sehr viele Inden versammelt; als die Missionäre auch hinkamen, gerieten die Priester darüber in Zorn. Eine Falaschafrau sagte zu den Missionären, ob sie nichts anderes und besseres zu thun hätten, daß sie solche weite Reisep unternehmen, und lachte sie aus. Ein Falascha rief den Missionären zu: Ihr Kinder des Satans, Zauberer, Verführer, Glanbensveränderer, ihr Kinder und Anhänger des Europäers Flad, ihr habt die ganze Welt verdorben, seid ihr auch hierher gekommen, uns zu verführen? Als Jndendörfer werden bezeichnet: Ärknana, Frohe, Jmalie, Gaffatige, Asinaonna, Jsimala, Baka und als Falaschadörfer: Gogesen, Kath, Fara und Koreutsch. — In Brady hat der Maler Popicl ein Gemälde „Das Babylonische Exil," an dem er drei Jahre gearbeitet, ausgestellt, das großen Beifall findet. Dasselbe soll demnächst in Wien ausgestellt werden. — Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Abgeordneter Rabbiner Di-. Mach in Mien-Florisdorf, gedenkt demnächst eine „Oesterreichische Wochenschrift" zur Verteidigung des Judentums herauszugeben. — Mit Bezug auf unsere Bemerkungen, das Slobotzky'sche Gebetbuch betreffend, (Jahrg. IV. S. 212) geht uns von dem geschätzten Mitgliede des Mendelssohn-Vereins. Herrn Salomo» Levy, die erfreuliche Mitteilung zu, daß er der Verfasser der von uns angeführten Notiz in der Frankfurter Zeitung vom 7. Juli sei. Interessant ist, daß Herr Levy von angesehenen christlichen Gelehrten auf den gefährlichen Druckfehler aufmerksam gemacht wurde. Herr Levy hat mit dem Pentateuche in der Hand die Herren auf die Originalstelle verwieseil und sie eines Besseren belehrt, hat aber hiezu noch bemerkt, wie sehr daraus manche Herren ihre Unwissenheit auf dem Gebiete des alten Testamentes bekunden, das sie doch für das Christentum nötig hätten. Sie liefen dadurch Gefahr, bei solcher Oberflächlichkeit in Bezug auf die Kenntnis des eigenen Standpunktes den christlichen Boden unter ihren eigenen Füßen zu verlieren, und sei dies wahrlich eine große Schande, die man durch solche Ignoranz, mit Bosheit gepaart, auf seinen Charakter lade, größer noch als die schlimmsten Laster, die man verstoßenen, verkommenen Juden so gerne andichten möchte. — Bei Levy & Müller in SluttgaU beginnt eine von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart reichende „Geschichte der Erziehung und Unterrichtes bei den Israeliten" von B- Straßburger in billigen Lieferungen (ät 50 Pf.) zu erscheinen. Der Verfasser behandelt in fortlaufenden geschichtlichen Darstellungen die Unterrichtsweise und die Ecziehungslehren der Juden. Durch die gefällige Darstellung und doch quellenmäßige Behandlung des Stoffes eignet sich das Buch sowohl für Laien wie auch für Pädagogen vom Fache, welche hier manche wichtige Frage behandelt und so manches Erziehungsproblem gelöst finden, das häufig Gegenstand ihres ernsten Denkens ist. Wir wünschen diesen: interessanten lehrreichen Werke viele jüdische und christliche aufmerksame Leser. — Von dem Zunz-Album, das uns immer noch nicht als Ganzes vorliegt, ist uns die Arbeit