Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-10-01 · Heft 10 (1.10.1884) · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 10 (1.10.1884)
Date
1884-10-01
Page
Seite 236 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969723--1174-2971623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

238 stimmt. — Die zweite Generalversammlung des Pensionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden, welche am 19. August in Mannheim stattfand, wurde um 11 Uhr vom Vorstande eröffnet. In warmen Worten wurden die Anwesenden bewillkommt und es wurde betont, daß der Verein vom Main bis zum Bodensee sympathisch begrüßt werde, wovon auch das doppelte Vereinsverinögen Zeugnis giebt. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben ans dem Großh. Geheim. Kabinet, worin S. H. der Großherzog die besten Wünsche für das Gedeihen des Unternehmens ansznsprechen geruhte, sowie die eingelaufenen Begrüßungsschreiben vom Vorstande des D. I. Gemeindebundes in Berlin und vom Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde Karlsruhe zum Orte der nächsten Generalversammlung bestimint. — Am 6. Juli fand die 13. Generalversammlung der Anglo - Jemish - Association unter Vorsitz des Herrn Daran Henry de Worms in London statt. — Am 3. September tagte in Driinn im Statthaltereigebäude eine Versammlung von Delegirten der Gemeinden Mähren's, in Gegenwart eines Negierungsvertreters, um über die Abgränzung der Gebiete der Knltusgemeinden zu beraten. In Mähren, wo noch 20 jüdische Kultusgemeinden aus alter Zeit das Privilegium, die Funktionen einer politischen Gemeinde ausznüben haben, wird durch einen Regierungserlaß vom 1. Januar 1885 an, die Verwaltung konfessioneller Angelegenheiten durch die hiezu gesetzlich berufenen besonderen Vertretungs- und Verwaltungsorgane zu führen sein, weil Beschtverden laut wurden in Bezug auf die Verwaltung der israelitischen Kultusangelegenheitelt durch die Vertretung der politischen Israeliten-Gemeinden. — Am 30. Juni wurde in Mühlheim a. d.!i. Herr Wolf Cahn in einem Alter von über 100 Jahren zur Erde bestattet. — Aus Paris meldet man den Tod des Obersten Doris und des Porträtmalers Alphonse Hirsch. — Bei der Beerdigung des Herrn Ludwig Kraus in Pardubitz, Bruders des Statthalters von Böhmen, Baron Kraus, hielt Herr v,-. Ehrentheil aus Horie die Grabrede. — In Zirndorf bei Fürth wurde der israelitische Lehrer Hesz vom Blitze getroffen. Er hinterließ eine unversorgte Witwe mit sieben Kindern. Der Wohlthätigkeitssinn Frankfurts hat sich auch bei diesem traurigen Falle glänzend bewährt. — In Wien wurde am 3. August auf dem Eentral-Friedhofe der berühmte Pianist Ernlk Löweuberg, Professor am Wiener Konservatorium, im Alter von 28 Jahren zu Grabe geleitet. Herr Rabbiner Dr. Güdemann hielt die Grabrede. Den Heimgegangenen beweinen tiefgebeugt Eltern und Braut. — Bei der auch durch die Menschenfresserei bekannten Greely-Expedition war ein Jude Namens Eduard Israel mit der Leitung der astronomischen Abteilung wegen seiner hervorragenden Kenntnisse auf diesem Gebiete betraut. Er war erst 25 Jahre alt und ist ein Opfer der großen mit diesem Unternehmen verbundenen Strapazen geworden. — Auf dem „Bock" in Berlin fand am 11. August ein „Antisemitenfest" statt, an welchem an 4000 Personen Teil nahmen. Man kann über die Verrohung der Gemüter, wie sie dort bei einer so großen Anzahl von Männern und Frauen in Erscheinung trat, die sich nicht scheuten, auch die Saat unmenschlichen Hasses in zarte Kinderseelen zu werfen, nur Bedauern empfinden, denn solche Leidenschaft nlacht beu Menschen tief sinken. Der Schluß eines gesungenen Festhymnns lautet: „Drum Antisemiteil auf den Buck! auf den Buck! Nun trinket vom Edlen, vom Nassen! Doch woll'n >vir zum Schlüsse mit kräftigem Schluck Die Juden auch leben mal lassen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.