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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-09-01 · Heft 9 (1.9.1884) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (1.9.1884)
Date
1884-09-01
Page
Seite 207 (sequence 13)
Language
German
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rechter himmlischer Richter gemeint ist, der, wie er das Gute belohnt, so auch das Bose bestraft. „So wahr ich lebe," spricht der Herr, „ich will nicht den Untergang des Frevlers, sondern nur, daß er von seinem bösen Wandel ablasse und lebe." Zuweilen ist es ja nicht zu vermeiden, daß die äußerste Strenge der Gerechtigkeit schonungslos angewendet wird, was im Talmud mit dem Satze ausgedrückt wird: „Das Recht durchbohre selbst den Berg." Aber zur Maxime, zu einem leitenden Rechtsgrundsatze ist dieses Wort niemals erhoben worden. Nie ist das jüdische Rechtsverfahren dermaßen auf die Spitze getrieben worden, daß es wie im röniischen Rechte — summura jus summa injuria — das strenge Recht bis zur höchsten Ungerechtigkeit hinauf geschraubt hätte. Im Allgemeinen galt die Regel: Gerechtigkeit muß herrschen, aber die Liebe soll vorwalten. Das können wir schon aus den Geboten, das Recht der Witwen, Waisen, Schwachen, der Dürftigen, des kriegsgefangenen Weibes, der Fremdlinge und Tagelöhner zu schützen, deutlich entnehmen. Es bleibt aber für ewige Zeiten eine Perle unter den Bibelworten, daß schon zu jener Zeit mit Nachdruck betont wurde: Ein Gesetz und ein Recht gelte für den Einheimischen wie für den Fremden. Derselbe humane Geist durchweht auch die zahlreichen Gebote der WolthätigKril. Die zartesten Saiten des Herzens werden angestimmt, uni ihm die weichsten, mildesten Töne der Barmherzigkeit zu entlocken. Der Jsraelite wird oft daran erinnert, daß er selbst in Not und Druck gelebt hat, es stehe ihm deshalb wohl an, Witwen und Waisen, Bedürftige und Fremde zu schützen und zu unterstützen. Gott sei ein Vater der Verlassenen, er vernehme den Aufschrei derselben und bestrafe deren Bedrücker. Zu den Tugenden eines echten Biederweibes gehört die Mildthütigkeit; „ihre Hand streckt sie dem Armen entgegen und sie ist eine Stütze der Dürftigen" (Spr. Sal. 31). „Wer ein Werk der Barmherzigkeit übt," sagen die Talmudlehrer, „wird voni Glanze des Herrn umstrahlt" (Batra 11). „Wohlthnn wiegt sämmtliche Gebote der Religion auf. Gottes Name wird durch Wohlthätigkeit verherrlicht und geheiligt. Sie ist die Grundlage der sittlichen Welt" (das. 9). „Die Thüre, welche dem Armen verschlossen wird, muß zuletzt denr Arzte geöffnet werden" (Pesikta. r. 11). Schon die Natur weist deutlich auf die Notwendigkeit gegenseitiger Unterstützung hin. Der Tag borgt der Nacht, die Nacht dem Tage, der Mond den Sternen, die Sterne dem Monde, der Verstand der Vernunft, die Vernunft dem Verstände, die Erde dem Himmel, der Himmel der Erde. (Schluß folgt.) GßroniK der Hagesereignisse im Iudeulume auf sozialem uud literarischem Gebiete. Herr Dr. Leopold Zun; in Berlin wurde anläßlich seines neunzigsten Geburtstages zum Ehrenmitgliede des Mendelssohn-Bereins ernannt und am 10. August namens desselben telegraphisch beglückwünscht. — Am 27. Mai feierte Herr Rabbiner Z. Pucher in Milan sein 25jühriges Amtsjubiläum. — Herr Bezirksrabbiner A. Koth in Klklös hat am Tage der Feier feines 25jährigen Amtsjubiläums eine Brochüre unter dem Titel: „Einige Erfahrungen als 5. Schulchan Aruch" herausgegeben. — Am 1. Juli feierte Herr Carl Breidenstei», Organist und Chordirigent an der frankfurter Hauptsynagoge sein 25jähriges Dienstjubi-

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