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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-08-01 · Heft 8 (1.8.1884) · p. Seite 192

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
Seite 192 (sequence 22)
Language
German
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192 m vom 1. Oktober d. I. ab ein antisemitisches Organ erscheinen lassen, seine Mittel erlauben ihm das, denn er hat an den Aaron Uathaniel von Rothschild ein Grundstück in Reicheichall für 120000 fl. verkauft, das nur den Schätzungswert von 7000 hat. Ist das nicht eine Uebervorteilung? — In prss spielte sich mehrere Tage lang ein Antisemiten-Prozeß vor dem delegierten Strafberichte gegen die Urheber und Teilhaber an den antisemitischen Unruhen in Uihnye und Pes;errny ab. Von den 28 Angeklagten wurden fünf freigesprochen; gegen die übrigen 23 wurde auf eine Gesammtstrafe von 42'/- Jahren Kerker und 20 Monaten Gefängnis erkannt. — Der Antisemit Windisch in Preßburg wurde tvegen Wechselfälschung zu einem Jahre verurteilt, er recurrierte an die höhere Instanz. Die Revision des Urteils ftel nicht zu seinen Gunsten aus. Er erhielt drei Jahre. — In Warschau wurden auf Befehl der Negierung alle Firmen und Schilder, die hebräische Inschrift trugen, entfernt. Nur spezifisch jüdisch-konfessionelle Anstalten werden von diesem Befehle nicht berührt. Dasselbe geschah auch in Lodc. — In Kiew hat die Polizei 4 Synagogen geschlossen, tveil sie nicht in gesetzlicher Entfernung, 100 Meter, von den russischen Kirchen stehen. Einige Jahre ging es so hin und die fehlenden Maße thaten der Kirche keinen Schaden, aber jetzt hat die Polizei nachgemessen und fand ihr Gewissen beunruhigt. Vielleicht werden die Synagogen durch ein gut Stück Gold wieder geöffnet werden. Auch ist daselbst und in Charkow an den Universitäten die Zahl der jüdischen Studenten auf zehn Prozent aller Studirenden reduzirt worden. Von Ausweisungen der Juden in Rußland wird aus vielen Orten berichtet und von traurigen Verfolgungen in Uischny-Uowgorod am 10. Juni. — Wie die „Hazefirah“ schreibt, haben die Juden in Grabowiec das Hans ihres Rabbiners Zalomon Haarstock in Brand gesteckt mit der Absicht, ihn und seine Familie lebendig zu verbrennen, was ihnen nicht gelungen. Die Christen haben den Brand gelöscht, während die Juden sich an ihrem Werke freuten. Die Gerichtsverhandlung in Lublin sprach ein freisprechendes Urteil, doch man weiß, was das oft in Rußland zu bedeuten hat. — In Tauroggen war in der Synagoge große Schlägerei, wobei eine Frau bald das Leben verloren hätte. Den russischen Juden geht die heilige Scheu vor denl Gotteshause gänzlich ab. In einer Gemeinde wird die Synagoge auf Befehl der Regierung geschlossen, weil die Gemüter in heftige Erregung darüber gerieten und es zu schrecklichen Seenen kam, daß ein Schneider sich einen besseren Platz in der Synagoge gemietet hat und in der anderen predigt der Rabbiner bei einer ausgebrochenen Kinderkrankheit, nach Sündern zu fahnden. Er ließ in der Synagoge ausrufen „Wer von in der Gemeinde begangene Sünden gehört oder solche gesehen hat, melde es sofort dem Rabbiner und dann wird die Krankheit aufhören." — Unter dem Titel Vater, Sohn und Enkel veröffentlicht' der Stadtrabbiner Herr Dr. Simon Leon Schwabacher in Odessa zwei Denkschriften, von denen er eine dem früheren und die andere dem jetzigen russischen Kaiser eingereicht hat, aus Anlaß der am t>. Mai 1884 stattgehabten Mündigkeitserklärung des Großfürsten Thronfolgers. Die beiden Denkschriften sind durch einen Zeitraum von 20 Jahren getrennt. Der Verfasser tritt jetzt, wo Diener der Gerechtigkeit und der Wissenschaft zu Lakaien der niedrigen Wut und Selbstsucht sich verdingen, mit denselben au die Oeffentlichkeit. Er hält die Judenhetze nur für ein Experiment, nur für ein Vorspiel der großen Tragödie, die man vorbereitet; die Juden, meint er, seien nur das dürre Holz, an dem die flammende Volksroheit prasselnd auflodern soll. In der ersten Denkschrift, die mau als einen auf Kenntnis und Erfahrung beruhenden Organisationsplan für die Juden in

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