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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-08-01 · Heft 8 (1.8.1884) · p. Seite 183

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
Seite 183 (sequence 13)
Language
German
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183 Und so blieb er denn auch trotz seiner Freisinnigkeit, mit welcher er das Zeremoniale in der Religion auffasste und vor Niemanden einen Hehl daraus machte — denn er war ein gründlicher Kenner der darauf bezüglichen Quellen und durfte für sich die Berechtigung eines kritischen Urteils vindizieren — ein getreuer Anhänger seines angestammten Glaubens, für den er sich in Wort und Schrift begeistern konnte und mit seinem Herzblut dafür einzustehen bereit war. Orthodoxe Frömmelei war ihni ein Gräuel. Dies bekundete Holländer auch als Mitglied der Synoden zu Leipzig und Augsburg, in welchen er sich den erleuchtetsten Männern des Judentums anschloß, um mit Ernst und Eifer für das reine geläuterte Judentum einzustehen. Seinen Kindern, die an seinem Grabe um ihn weinen, den Erben seines guten Namens und des ihnen durch redliche Arbeit erworbenen, hinterlassenen materiellen Segens, war er ein Vorbild von Rechtschaffenheit und Ehrenhaftigkeit, ein liebreicher Vater, der für ihre Erziehung und Heranbildung das richtige Verständnis hatte, wie er selbst nie aufgehört hat, seine Kenntnisse zu erweitern und in die erworbenen immer tiefer einzudringen. Mit seltener Freudigkeit aber oblag er der Pflege seines Wissens in der hebräischen Literatur und legte vor längerer Zeit ein schönes Zeugnis davon ab in der Veröffentlichung einer deutschen Übertragung des Hohenliedes, mit hebräischem Konimentar zu demselben, das Ergebnis langjähriger Vertiefung in diese salonionische Dichtung, deren Dunkel er durch eine originelle, ganz neue Auffassung zu lichten sich bemühte. Er dachte klar, sprach gut und wirkungsvoll und schrieb das Hebräische mit der Leichtigkeit einer Muttersprache. Schreiber dieser Zeilen, der dem Verstorbenen mit denselben den Tribut seiner Liebe über das Grab hinaus zu zollen beabsichtigt, ist ebenso fern davon, sein Lebensbild auf Kosten der Wahrheit zu illustriren wie von der Präsumtion, ihn damit erschöpfend gewürdigt zu haben. Es lag ihm vielniehr nur daran, an der Hand des Thatsächlichen, Miterlebten, die Bausteine zu diesem Bilde zusammenzutragen und ganz besonders Allen, die sich für den Hingeschiedenen interessiren und auf dem Schauplatze der großen Kundgebungen nicht anwesend waren, zu sagen, wie ihm diese von Nah und Fern auf seinem letzten Gange zu Teil wurde, sei es durch die Unzahl von schriftlichen Beileidsbezeugungen, sei es bei der Bestattung in dem unübersehbaren Leichenkondnkt, der alle Bewohner der Stadt und Umgegend, ohne Unterschied der Stände und Konfessionen, zu einer gemeinsamen Tranerfeier vereinigte. Ein arbeitmüder Lebenswanderer schloß er die Augen zum ewigen Schlaf in der Nacht vom 11. auf 12. Mai, genau drei Monate nach der Feier seines 75. Geburtstages, den die Seinen noch festlich mit ihm zu begehen die Befriedigung hatte». Während seiner ganzen Lebensdauer von kernhafter Gesundheit und kräftiger Körper-Konstitution, litt er in den letzen Jahren an einer mit akuten Kopfschmerzen verbundenen Gehirn-Affektion, die unter fortwährenden Schwankungen zwischen Besserung und Verschlimmerung eine bedenkliche Wendung nahm und zu dem tötlichem Ausgange führte. Von einer Trübung seines Denkvermögens war bis zu seinem letztem Athemzuge keine Spur vorhanden. Ihm war der Tod eine gewünschte Erlösung und so ging er ihm auch mit der größten Seelenruhe entgegen. Seine Lebens-Aufgabe war ja allseitig gelöst, seine zeitlichen Angelegenheiten hatte er bestens geordnet und seine

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