Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1884)
- Date
- 1884-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969720--1082-2971528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
PoMlm -MWei«l>»Mck§ IotttttsbUiticr j jur töcfeljnmg üficr das Ouhentum i für Gebildete aller Konfessionen. Grgan des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Briill. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. Jnsertionspreis pro gespaltene Zeile 40 Pf. Alleinige Jnseratenannahme: Annoncen-Expedition Haasenstein L Vogler. 4. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Juli 1884. Nummer 7. Kumanität im Judentum! (Vortrag, gehalten in der Versammlung mitteldeutscher Kultusbeamten in Nordhausen von Dr. M. Dessauer Landesrabbiner in Meiningen.) I. Wenn ich dem Wunsche unseres gesch. Präsidiums gern entspreche und über Humanität einen Vortrag halte, so bestimmte und leitete mich dabei keineswegs die Lust, die gegenwärtig beliebten inhumanen Angriffe gegen uns zu widerlegen. Mit der Brutalität kämpfen anständige Menschen vergebens. Diesen Augiasstall von Schmutz und Widerwärtigkeit wird hoffentlich bald ein zweiter Herkules reinigen —, ich meine die Zeit, die schließlich alles Unreine, Schlechte, Niedrige und Unedle mit Macht hinwegfegt und der Vergessenheit anheimgiebt und lediglich das bestehen läßt, was bleibenswert und der Fortdauer würdig ist, das Reine, Erhabene, Große, Edle. „Nur das Echte bleibt der Nachwelt unverloren." Wir wollen deshalb sine ira et studio aus Bibel und Talmud den Nachweis zu liefern suchen, daß das Judentum 1) trotz seiner individuellen Gestaltung dennoch.das allgemeine Menschentum als erhabenes Ideal in sich trägt und zur Verwirklichung dieser Idee 2) seinen Bekenner» die sittliche Bildung zur heiligen Pflicht macht. Zu diesem Behufe empfiehlt es dem Israeliten die Selb st Veredelung und Menschenveredelung im Allgemeinen und im Besondern die sorgsame Pflege der Gerechtigkeit und Wolthätigkeit unter den Menschen ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens.