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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 216

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 216 (sequence 24)
Language
German
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216 Szalay: Ich appelliere und bitte gleichzeitig um Ausfolgung einer Abschrift der Motive. Der Präsident wendet sich mit derselben Frage an die Vertheidiger. Diese nehmen das Urteil an und danken. Hierauf fragt der Präsident die Freigesprochenen, die sich von ihren Sitzen erhoben haben, ob sie das Urteil verstanden, Dieselben nicken mit dem Kopfe. Der Präsident richtet nun eine Ansprache an die Freigesprochenen, in welcher er sagt: „Sie Alle sind freigesprochen und auf freien Fuß gesetzt. Sie sind der Anklagen enthoben und Ihren Familien und der Gesellschaft wiedergegeben. Nicht die Richter sind für die vielen Mühsale und Leiden, welche sie erduldet haben, verantwortlich zu machen, sondern nur die traurigen Umstände waren es, welche Ihnen Unheil brachten. Tragen Sie Ihr Schicksal ohne Grollen. Das ist es, was ich Ihnen als Begleitbrief auf den ferneren Lebensweg mitgebe. In diesem Saale haben sich Joseph Scharf, Buxbaum, Groß und Klein wiederholt gegen die Würde dieses Ortes vergangen. Ihre Vergehen sollen, jedoch ungeahndet bleiben. Sie Alle sind frei." (Eljens im Publikum). Vertheidiger Cötvös dankt dem Präsidenten und dem Gerichtshöfe, deren Wahrheitsliebe und Gerechtigkeitsgefühl verhinderten, daß auf Grund jener Versäumnisse und Vergehen der Untersuchung ein Irrtum entstand und Gesetz und Recht nicht nach jeder Richtung hin gewahrt wurden. „Nicht nur als Vertheidiger und Juristen, sondern als Söhne dieses Vaterlandes sprechen wir dem Gerichtshöfe unseren Dank ans." — In der Stadt selbst herrschte die größte Ruhe, im Gefängnishofe spielten sich die ergreifendsten Scenen ab. Die Frauen der Freigesprochenen wurden in den Hof gerufen, wo sie mit ihren Kindern erschienen. Jeder Freigesprochene erhielt von einem Vertreter der Landeskanzlei 150 fl. Die Freigesprochenen erklärten, nachdem sie sich hierüber beraten, auf die Fragen der Vertheidiger, daß sie nach Tisza- Eßlär nicht mehr zurückkehren wollen; Alle gehen zu ihren Angehörigen. Die Freigesprochenen verließen um vier Uhr durch eine der Hinterpforten das Kommitatshaus. Moriz Scharf wurde zum Vieegespan gerufen und fand dort seinen Vater und Cötvös. Beide redeten ihm zu ins Elternhaus zurückzukehren. Cötvös zeigte dem Knaben drei Offerten: Moriz, ein Uhrmacher in Budapest, will ihn an Kindesstatt annehmen; nach einer zweiten will ihn ein Holzhändler in Großwardein ins Geschäft nehmen und nach einer dritten will Baron Hirsch in Paris den Knaben erziehen lassen. Lange währte die Besprechung, doch erklärte der Knabe, nicht mitgehen zu wollen. — Die Kosten des Prozesses trägt der Staat. — Für die Unglücklichen, die nlateriellen Schaden erlitten oder ihre Stelle verloren haben, sorgt die israelitische Landeskanzlei in Pest, um zu verhindern, daß Berufene oder Unberufene Sammlungen veranstalten. So wäre denn die Geschichte der Blutbeschuldignng wieder um ein trauriges Blatt bereichert. Hoffentlich wird diese unleidige Affaire, die in den letzten Monaten die Gemüter in ungewöhnlicher Spannung gehalten hat, durch denUrteilsspruch des Nyiregyhazaer Gerichtes für immer abgethan sein. Inhalt: Das babylonische Exil und das Jahrhundert nach demselben mit besonderer Berücksichtigung auf die religiöse Entwicklung des Judentums. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabb. in Teplitz. — Unser Trost. — Didacco Pyrrho, auch Flavins Eborensis genannt. Ein Lebensbild, entworfen von Dr. M. Grünwald, Bezirksrabbiner in Belovar u. Anton Caznaeich. k. k. Hauptmann m R. in Gravosabei Ragusa. — Referaten. Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: Dr. Adolf Brüll; Verlag von Franz Benjamin Anffarty; Druck von H. L Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämmtlich in Frankfurt am Main.

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