Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1883)
- Date
- 1883-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ftoptiir - wWe«»ck»stlick^ O tt tt tsi l* l litte zur lleteyrung über das öubeiitiim für Gebildete aller Confkffioueii. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von »p. Adolf Brüll. Abonnemenlspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 3. Jahrgang. Frankfurt a. M., dm 1. September 1883. Nummer 0. Das babylonische Grit und das Jahrhundert nach demselben mit besonderer Berücksichtigung auf die religiöse GntwiKtung des Judentums. Von vr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner in Teplitz. I. Vas babtjlonifiije Exil. Die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Geistes ist eine Geschichte des Blühens und Melkens, des Aufstrebens und Verfüllens, des ewigen Neuauflebens und Wiedererstehens des Vergangenen in neuer Gestalt und Form, die stets der jeweiligen Anschauung angepaßt wird- Es schwinden nämlich Sitten und Anschauungen nie ganz aus dem Kreise, in dem sie sich eingelebt haben, jede neue Zeit nimmt den Gedankenfaden dort auf, wo ihn die alte verlassen und jede Morgenröte reiht sich, so lautet das ewige Gesetz, dem enteilenden Dunkel an. Es bleibt in gewisser Beziehung also immer der alte Kern und nur die Hülle wird geändert, wie im Lenze sich die alte Wurzel verjüngt, um neue Blüten zu treiben. Die Vergangenheit ist die Mutter der Zukunft, denn weder das Individuum, noch die Zeit vermögen sich der Zusammengehörigkeit mit der Unendlichkeit, mit Zeit und Raum, den Urbedingungen alles Seins, zu entledigen — einem Strome gleicht die Entwickelung des menschliches Geistes, der, seit Jahrtausenden dahinflutend, Vergangenheit und Zukunft in seinen Wellen trägt. Aber nicht gleichmäßig ist der Lauf dieses Stromes. Bald rieselt er ruhig still in seinem Bette, bald stürzt er in stürmischer Eile über Feld und Stein, seine Dämme überflutend, bald wieder verliert er sich in sumpfigem Boden, wie der Steppenfluß, vom Sande bedeckt. Aber ob er auch nicht sichtbar er-