Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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floplär-uiiascnsclutfllicliij Oö z u i H p f p lj i u n fl ü fi p r bn « H u I) p n I n m für Gebildeic aller Confrssionrn. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von II r. Adolf B r ii l l. Abonnementspreis Mk. ll per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des Inuild Anstandes. 3. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Juli 1883. Nummer 7. W o m W o ch e n f e st e. Wie ein Baum, dessen Wurzel verdorrt ist, nicht mehr wachsen und gedeihen kann, wie ein Hans, das auf inorschem, schwankendem Grunde ruht, den Stürmen nicht zu widerstehen verniag, von denen es erschiittert wird, so hat auch die Religion, die der Stamm unseres Seelenheiles ist, die den Aufbau unseres inneren Friedens bezweckt, keinen Halt und Bestand in unserer Mitte, wenn ihr die Wurzel fehlt, mit der sie in den Boden unseres Herzens eingepflanzt sein soll und sie der Grundlagen entbehrt, die in unserer Gesinnung und Anschauung ihr unerschütterliche Festigkeit verleihen. Die starken Äste und vielen Zweige, das reiche Laubwerk und der liebliche Blütenschmuck, der schlanke Wuchs und die üppige Fruchtfülle, die werden den Baum vor dem Untergange nicht schützen, wenn einmal an seine Wurzel die Axt gelegt wird und das Mark in seinen Adern vertrocknet und abgestorben ist. Sind die Räume des Hauses noch so weit, seine Mauern noch so stark, seine Giebel noch so hoch; ist seine Grundlage zerstört, sind die Pfeiler gebrochen, auf denen das Bauwerk ruht, dann wird man mit allen künstlichen Stützen seinen Einsturz nicht aufzuhalten und noch viel weniger durch die äußere Übertünchung die unheilbaren Risse zu verdecken vermögen. Und gerade so verhält es sich auch mit der Religion. Es fehlt da nicht an Einrichtungen, durch welche es uns nahe gelegt und an die Hand gegeben ist, ihrem Geiste den lebendigen Ausdruck zu geben, ihre Gedanken in die entsprechende Formen zu kleiden und unsere Gottergebenheit sichtlich zu bekunden und zu bethätigen. allein was sind uns alle diese Einrichtungen, wenn wir ihren Zweck völlig aus den Augen verloren haben, wenn wir an der Religion die äußere