Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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98 nichts von einer Mission und wollen nichts davon wissen.. Andere sind Juden der Race nach, theils aus Sympathie für ihre leidenden Genossen, theils aus stolzem Selbstgefühl, weil das Blut großer Geisteshelden und edler Dulder in ihren Adern rollt. Es ist ihnen Ehrensache, nicht zu kapituliren, auch wenn sie ihre Sache für verloren halten. Ist Letzteres bei den Aufgeklärten der deutschen Judenheit zumeist der Fall, so schielen, namentlich in England, die conservativer gesinnten Juden nach Palästina hin, träumen und phantasiren von einem jüdischen Musterstaat, in welchem auf die große Völkerpolitik ein mächtiger Einfluß im Deronda'schen Styl ausgettbt werden soll, nur von der religiösen Sendung der Juden, von der die Menschheit einenden Gottes- und Menschenidee reden und wissen sie wenig. Und, gerade diese Schwärmereien für einen palästinischen Judenstaat, an dem weder der freisinnige noch der orthodoxe Jude im Ernst denkt, können uns nur Nachteil bringen.' Sie schütten nur neue Ölnahrung in die flamme der Zwietrachtsäer, die den Juden als Fremdling, als Parasiten, als zigeunerischen Noinaden, als Orientalen oder Semiten verrufen. Sie entwaffnen aber ebensowenig die Feinde, die uns aus dem Glauben und dem Alten Testament einen Vorwurf machen als die, die uns verargen, daß wir die neutestamentliche Moral als Frucht der jüdischen Lehre, überhaupt vollen Anteil am Kulturfortschritt für uns Juden in Anspruch nehmen. Nein. Acceptiren wir den Namen Semiten. Ja, wir sind Semiten, und wir sind stolz auf diesen Namen. Die semitische Race ist der Vortrupp, der Pionier der menschlichen Civilisation. Der Antisemitismus hat kein Recht, unsere Kultur arisch oder indo-europäisch zu nennen. Wer hat denn den Genius von Hellas mit der Sehnsucht beseelt, das Feuer des Prometheus vom Himmel zu rauben und unvergängliche Werke der Kunst zu schaffen, als die semitischen Vorgänger? Assyrische Kunstwerke auf kleinasiatischcn Boden verpflanzt, haben einem Homer und einem Phidias Nachahmung weckende Begeisterung eingeflößt. Kanaan's weltumspannendes Handelsvolk hat den Ariern den Zauberschlüssel der Geistesschätze, die Buchstabenschrift, geschenkt. Semiten haben den Griechen fast alle Instrumente der Musik zugeführt. Die Wissenschaft der Astronomie wie die gesammte Messung und Einteilung von Zeit, Raum und Gewicht verdankt die Menschheit dem semitischen Geist, den Landsleuten Abraham's. Ja sogar in der Landwirthschaft und der Schifffahrt waren, wie die jüngsten Forschungen dargethan, Semiten die Lehrer der Römer, wie der Griechen. Daß die Arier eine höhere Kultur zu schaffen, ein höheres Menschenideal aufzustellen berufen waren, wer wollte das in Abrede stellen? Allein nur neben den Semiten und mH deren Hilfe vermochten sie diesen Beruf zu erfüllen, nicht allein und ausschließlich. Die Arier — soll ich eine kurze Charakteristik von ihnen im Unterschied von den Semiten versuchen? — bekunden eine schärfere Beobachtungs- und eine klarere Darstellungsgabe, die sie wol einem kühleren Temperament und den Einflüssen eines gemäßigteren Klima's verdanken. Mit ihrem mehr den glänzenden Erscheinungen der Außenwelt als den inneren Mächten der Natur zugewandtein Geiste suchten sie für die Formen und endlichen Dinge die Gesetze des Denkens und der Erscheinung ausfindig zu machen und schufen so, die ewigen Meister der Kunst, die Grundprincipien der Philosophie und der Wissenschaft, des Staats- und Rechtslebens, wie der persönlichen Freiheit. Die Welt in ihrer Objektivität trägt das Gepräge des arischen Geistes. Der semitische Geist dagegen zeigt bei seiner tieferen Sehnsucht, seiner heißeren Glut der Religion und seiner rascher auflodernden Begeisterung ein ungestümeres